Filme

«Das war absehbar.»

Zwei, die losziehen auf die Alp: Sarah Jörg und Samuel Winter, beide um die dreissig, verdingen sich auf eine Kuhalp mit Rindern im Diemtigtal. Warum, bleibt ungesagt, aber beim Einstallen, beim Melken und ersten Käsen merkt man, die zwei sind unerfahren, gehen zum ersten Mal auf eine Alp, vielleicht aus einer Laune heraus oder des vielbeschworenen Traums wegen, einen Alpsommer zu erleben. Schon bald ist das Paar überfordert, der strenge Alpalltag zehrt an ihren Kräften, der Käse bekommt schmierige Rinde und schwarze Flecken, eine Kuh verwirft, der Schlaf fehlt, die Zuversicht, dass sich alles noch ändern könnte, ebenso.

Als Zuschauende sind wir nahe am Geschehen, blicken in müde Augen, an kraftlose Glieder, auf strapazierte Nerven. Für einmal ein realistischer Film, jenseits aller Alpromantik, das sollte einen freuen – aber dem gebeutelten Älplerpaar anderthalb Stunden zuschauen, das ist doch zäh. Am liebsten würde man ihnen zurufen: Seid mal nicht so knochentrocken, freut euch an einem guten Essen, am Baden im Bach, am Besuch lieber Freunde! Doch das gelingt ihnen nicht. Der Freudepegel ist auf die Höhe müder Waden gesunken und dort bleibt er. Sarahs Fazit am Ende des Alpsommers: «Jetzt muss ich wieder einen Job suchen.» Samuel: «Das war absehbar.» So ernüchternd kann Alpleben sein. gh

z’Bärg

Dokumentarfilm 2015
Regie: Julia Tal
Schweizerdeutsch, Deutsch
85 Min.

Kinderleben auf der Alp

Der Film zeigt den Alltag der Familie Anna Mathis und Riccardo Nesa auf der Kuhalp Gün im Safiental, mit Fokus auf die drei Kinder Braida, Marchet und Jon – acht-, sechs- und dreijährig. Die Kinder zaubern uns oft ein Lächeln aufs Gesicht, so wenn sie auf den Schweinen reiten, das lange vermisste Huhn finden oder Jon just vor der Haustüre brünzelt, weil der Regen den Weg zum WC versperrt. Das alles ist unterhaltsam, bisweilen interessant, immer nett und auf die Länge zu harmonisch. Mag sein, dass diese Familie kaum streitet, alle Arbeiten auf der Alp mit Freuden erledigt, zudem eine tolle Mitarbeiterin hat, mit der alles super klappt. Aber im Film wirkt die Harmonie zu exemplarisch, als sei es so auf jeder Alp, und das ist nicht authentisch. Von einem Dok-Film erwartet man mehr – einige Brüche des Wohl- und Einklangs hätten gut getan. gh

Kühe, Käse und 3 Kinder

Dokumentarfilm 2014
Regie: Susanna Fanzun
Rätoromanisch-Schweizerdeutsch-Tessiner Dialekt, Untertitel de

www.3kinder.ch

Aus Filmen lernen

Drei Filme zur Weidebewirtschaftung auf Alpen zeigen, wie man Sömmerungsweiden pflegen kann. Älpler aus den Kantonen Bern, Graubünden und Wallis erklären ihre Nutzungsweise. Es liegt in der Natur der Sache, dass sie nicht immer gleicher Meinung über die beste Bewirtschaftsungsart sind.

Die Älpler erklären ihre Herangehensweise an die Bewirtschaftung ihrer Alpweiden. Interessant ist, dass die Alpen bezogen auf die Grösse, die Tierart und die Höhenlage sehr verschieden sind und daher die Nutzungsart unterschiedlichen Ansprüchen genügen muss. Ebenso ungleich sind die Älpler: Wo der eine eher auf effiziente Arbeitsweise schaut, möchte der andere vor allem die Pflanzenvielfalt schützen und der dritte schaut auf eine möglichst vielseitige Nutzung mittels verschiedener Tierarten. Ein bisschen schauen natürlich alle auch auf alles.

Die Älpler erzählen unkommentiert. So bleiben Fragen offen – z.B. ob grosse Milchkuhalpen hinsichtlich Weidenutzung überhaupt Sinn machen und ob das Mulchen in diesen Höhen nachhaltig ist. Es kann somit weiter diskutiert werden. Aber schaut selber.

Von Älplern für Älpler
 
Dokumentar-/Lehrfilm 2013
Regie: Patricia Fry
Schweizer Dialekt
Untertitel de, fr, it, en
DVD 45 Min
www.vonbauernfuerbauern.ch

Almleben leben

Wir begleiten Uschi über mehrere Jahre auf ihrem Weg von der Älplerin zur Bäuerin, wie sie alleine auf der Alp ihre Arbeit macht, «stillesüchtig» dort oben mit den Tieren und der Landschaft ihre Bestimmung findet. Doch Uschi ist auch Bauerstochter. Ihre Eltern legen ihr nahe den Hof zu übernehmen. Sie hadert zwar anfänglich mit der Vorstellung sesshaft zu werden und sich den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eines Landwirtschaftsbetriebes zu unterwerfen, doch schlussendlich kann sie sich den üblichen Konventionen nicht erwehren. Ein einfühlsam beoabachtetes Langzeitportrait in ruhigen Schwarzweissbildern, das ganz ohne Pathos zeigt, wie das Nomadendasein des Älplerlebens in all den Verstrickungen des normalen Lebens nicht ewig Bestand hat. gh

STILL
 
Dokumentarfilm
Regie: Matti Bauer
Deutsch
DVD 80 Min., DE 2013
www.cede.ch

Agrarwirtschaft diskutieren

Knapp vier Stunden kann man vier Familien auf Alpen im Moutatal zuschauen, wie sie Tiere treiben, melken, Käse machen, Tiere verarzten und einem die Alp erklären. Und das ist keineswegs langweilig. Denn die BerglerInnen haben über das Leben, über die Arbeit, über das Verständnis von Mensch und Natur mehr Weises zu sagen als so mancher Pfarrer oder anderswie ausgebildeter Therapeut. Reine Idylle gibt es nicht zu konsumieren, aber wer gerade im Hamsterrad des Alltags seine Runden dreht, soll doch diese DVD in den Player schieben. gh

Alpsummer
Innerschweizer Bergler
 
Dokumentarfilm
Regie: Thomas Horat
Schweizerdeutsch, (dt, en, fr, rumantsch)
DVD 89/140 Min., CH 2013
www.mythenfilm.ch

Dreimal z’Alp fahren

In den vergangenen Jahren sind ja so manche Traditionen der ÄlplerInnen filmisch ausgeschlachtet worden – es könnte der Eindruck entstehen, die machen das nur der TouristInnen wegen. Bei der Transhumanz geht es aber schlussendlich ganz pragmatisch um Futtersuche, wenn auch zum Teil im folkloristischen Mäntelchen. Hier begleiten wir drei Alpfahrten der Alpen Erigsmatt SZ, Altenalp AI und Engstligenalp BE. Eindrücklich gefilmt wechseln betörend schöne Landschaftsbilder mit den rauen Wirklichkeiten von Hudelwetter und abgestürzten Tieren ab. Wir erleben, wie unterschiedlich in den drei Regionen das z’Alpfahren vonstatten geht. Schade, dass Rickenmann mit der musikalischen Berieselung übertreibt (kaum geht ein Alpaufzug los, wird gejodelt) und mit dem Product Placement der Locher-Brauerei (peinlich für einen dokumentarischen Film, wenn sich die Innerschweizer Älpler mit Appenzeller-Bier zuprosten und die Etikette in die Kamera strecken). gh

z’Alp
Uffahre – Züglete – Öberefahre
 
Dokumentarfilm
Regie: Thomas Rickenmann
Schweizerdeutsch (de, fr, en)
DVD 101 Min., CH 2013
http://alpfilm.ch/

Sommerzeit

Die Regisseurin nennt ihren Film eine Alpenreise, dem Zuschauer bleibt aber unklar, wohin die Reise geht. Begleitet werden ein paar ForscherInnen von AlpFUTUR bei ihrer Arbeit. Warum sie forschen und was ihre Forschung der Alpwirtschaft nutzen soll, begreifen weder die ÄlplerInnen noch die ZuschauerInnen – die Verständigung zwischen ForscherInnen und Alpleuten will nicht recht klappen. Das erstaunt, da der Film dem Synthesebuch von AlpFUTUR beiliegt, welches die Forschungsarbeiten als wichtig und nötig herausstellt.

Der Film bietet zwar Einblick in verschiedene Aspekte der Alpwirtschaft, Alpunerfahrene werden aber ungenügend informiert und Alperfahrene erfahren nicht viel Neues. gh

Sommerzeit
Alpwirtschaft: Tradition mit Zukunft?
 
Dokumentarfilm
Regie: Pascale Gmür
Schweizerdeutsch (de, fr, en)
DVD 78 Min., CH 2013
www.sommerzeit-der-film.ch

Fernsehmacher auf Besuch

Im Sommer 2013 dokumentiert «Schweiz aktuell» während dreier Wochen das Leben der Älperfamilie Abderhalden mit ihren zwei Knechten und einer temporären Hilfe auf Alp Malbun. Die Serie gibt viele Einblicke ins Alpleben mit Details, die bei einem kurzen Besuch untergegangen wären. Die Moderation ist gewöhnungsbedürftig, weil ziemlich naiv. Da werden die Filmi zu eigentlichen Lehrfilmi für MöchtegernälplerInnen auf dem TV-Sofa. Bizzli Fernsehglamour darf natürlich nicht fehlen. So werden Rezepte aus der Alpenchuchi filmisch aufgemotzt und die Sequenzen mit dem «Einsatzknecht» Fernsehmoderator Oliver Bono mögen lustig sein, sofern man einen eigenartigen Humor hat. (gh)

DVD 2 zeigt Fernsehmoderatorin Sabine Dahinden am Berg. Sie assistiert einem Bergtierarzt in der Innerschweiz. Im Bündnerland unterstützt sie ein junges Hüttenwarts-Paar beim Führen einer SAC-Berghütte und im Wallis begleitet sie ausländische Reisegruppen in die Berge. Zum Schluss erklimmt die Moderatorin einen Viertausender. (Klappentext)

Am Berg
Die Älplerfamilie und Dahinden am Berg
 
TV-Serie
Doppel DVD Edition 2013
mit Rezeptheft der Älplerfamilie
Regie: SRF
Schweizerdeutsch
beide DVD 390 Min., CH 2013

Sechs Stunden Alp und Urnäsch

«Schweiz aktuell» war bei der Alpabfahrt in Urnäsch am 15. September 2012 mit dabei und begleitete zwei Bauernfamilien auf ihren Weg zurück ins Tal. In aktueller Journalistenmanier – verschiedene Standorte, eigener Arbeitseinsatz, Interviews, Liveberichte, Rückblenden, Dokumentareinschübe, Facebook- und Twitteranbindung – berichtet das Fernsehen rundum über Alpwirtschaft, ÄlplerInnen, Kultur und Tradition der Appenzeller. Man staunt über die oft naiven Fragen der ReporterInnen und freut sich über die gelungenen und knorrigen Antworten. Für sechs Stunden kann man freudetränenden Auges vergessen, dass wir in unseren Banken Geld von Diktatoren und Steuerbetrügern waschen, in fernen Ländern Rohstoffe klauen und in unserem Wohlstandswahn die Naturressourcen verschleudern. Heimat pur! gh

Alpabfahrt Urnäsch
Schweiz aktuell extra
 
Live-Dokumentarsendung
Regie: SRF
Schweizerdeutsch
360 Min., CH 2012

Verschwindende Hirtenkultur

In der Nähe von Sibiu, oberhalb des Dorfes Jina, dem höchstgelegenen Dorf in den Karpaten, lebt die Schäferfamilie Stanciu mit Mutter Maria, Vater Dumitru, Sohn Radu. Es ist ein Leben unter einfachsten Bedingungen und es ist einsam. Die Nachbarn sind in die Dörfer gezogen, haben das Schäferhandwerk aufgegeben. Maria und Dumitru haben nie etwas anderes gemacht, und wollen auch nichts anderes machen, auch wenn sie wissen, so geht es nicht weiter. Es gibt weder Fahrzeuge noch Strom, transportiert wird mit Ross und Wagen. Der Wald holt sich die Kulturlandschaft zurück, die Wölfe konzentrieren sich auf die restlich verbliebenen 100 Schafe. Hilfe, um sie zu beschützen finden die Stancius keine, selber fehlt ihnen die Zeit dazu. «Unser Brot ist hart, aber wir sind es gewohnt.»

Das deutsche Filmteam hat sich der Schäferfamilie mit grossem Respekt genähert. In bedrückend schönen Bildern von archaischer Kraft können wir zusehen, wie eine jahrhundertealte Hirtenkultur verschwindet. Für die Familie Stanciu ist es bare Realität.

Dem Himmel ganz nah
 
Dokumentarfilm 2012
Regie: Titus Faschina
Rumänisch, Untertitel de, en
DVD 97 Min
www.cede.ch

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