«Das war absehbar.»
Zwei, die losziehen auf die Alp: Sarah Jörg und Samuel Winter, beide um die dreissig, verdingen sich auf eine Kuhalp mit Rindern im Diemtigtal. Warum, bleibt ungesagt, aber beim Einstallen, beim Melken und ersten Käsen merkt man, die zwei sind unerfahren, gehen zum ersten Mal auf eine Alp, vielleicht aus einer Laune heraus oder des vielbeschworenen Traums wegen, einen Alpsommer zu erleben. Schon bald ist das Paar überfordert, der strenge Alpalltag zehrt an ihren Kräften, der Käse bekommt schmierige Rinde und schwarze Flecken, eine Kuh verwirft, der Schlaf fehlt, die Zuversicht, dass sich alles noch ändern könnte, ebenso.
Als Zuschauende sind wir nahe am Geschehen, blicken in müde Augen, an kraftlose Glieder, auf strapazierte Nerven. Für einmal ein realistischer Film, jenseits aller Alpromantik, das sollte einen freuen – aber dem gebeutelten Älplerpaar anderthalb Stunden zuschauen, das ist doch zäh. Am liebsten würde man ihnen zurufen: Seid mal nicht so knochentrocken, freut euch an einem guten Essen, am Baden im Bach, am Besuch lieber Freunde! Doch das gelingt ihnen nicht. Der Freudepegel ist auf die Höhe müder Waden gesunken und dort bleibt er. Sarahs Fazit am Ende des Alpsommers: «Jetzt muss ich wieder einen Job suchen.» Samuel: «Das war absehbar.» So ernüchternd kann Alpleben sein. gh
z’Bärg
Dokumentarfilm 2015
Regie: Julia Tal
Schweizerdeutsch, Deutsch
85 Min.