Alpaufzug

Musik

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Den Kühen schäumt die Milch über

Keine Löcher, Ventile oder Klappen, um den Luftstrom zu lenken; keine Mechanik, um das Schallrohr zu kürzen oder zu verlängern; keine Saiten kann man drücken – nur übers Mundstück die Luft formen und hoffen, es töne – das ist das Alphorn. Wer als Kind viel übt, bringt im Alter 20 Töne aus ihm hervor, wovon ein paar so schräg dissonant tönen, dass sie den Wohlklang gewohnten Ohren wehtun. Und schwierig ist es, mit einem Alphorn ein Duett mit der Klarinette zu spielen oder gar ein Wälzerli mit Kapelle, denn es ist so gestimmt, dass es nur in ungewohnter und also schwieriger Tonart klappt. So bleibt das Alphorn lieber allein oder unter seinesgleichen. Vielleicht ist es wegen solch eigensinniger Beschränktheit das Schweizer Instrument schlechthin? Aber wer einmal einen Ton herausbringt, der ahnt den verzaubernden Klang und er übt und übt und weiss, dass er seinen Ton im hohen Alter fünf Kilometer weit durch die Landschaft reisen lassen wird. Und dazu hört er das Ensemble Hornroh, mit dem Jennifer Tauder, Balthasar Streiff, Michael Büttler und Lukas Briggen das Alphorn und den Büchel zum Klingen bringen. «Eigenbräu» heisst ihre neue CD mit 17 Stückli – auch sie haben nicht mehr als die beschränkte Reihe an Naturtönen und bringen die zu viert aber so zueinander, als wäre es eine Klaviatur. Virtuos können sie das Geheimnis des Alphorns – den singenden Rhythmus. Und ja – das Heimweh nach der Alp tönt mit. Ich höre ihnen zu und stelle mir vor, wie sie auf einer Felsnase stehen und so blasen, dass den Kühen vor Freude die Milch überschäumt. (Köbi Gantenbein)

Hornroh

Eigenbräu

Verlag Zytglogge 2021

www.hornroh.ch

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Visionen

Ala Fekra – das ist die musikalische Fusion der Schweizerin Patricia Draeger und der ägyptischen Musiker Yamen Abdallah und Amr Darwish. Schon nach wenigen Takten des ersten Tracks verwandelt sich der schneebedeckte Linsenberg, auf den ich blicke, in die orientalische Inkarnation eines Berges und wird zur Düne, über die im Tanzschritt eine Kamelkarawane schaukelt. Die orientalischen Klänge sind für mein Ohr durchaus herausfordernd und ich merke, dass es dann doch eher die Akkordeonklänge und ein leichtes Schuhplatteln (Track 8) sind, bei denen ich mich «heimisch» fühle. Schön finde ich, dass mir zwar klar ist, dass hier echte Virtuosen am Werk sind – sie’s aber nicht raushängen lassen. Diese Musik hat keinen Kaffeehauscharakter, sondern fordert Aufmerksamkeit. Dafür birgt sie definitiv das Potenzial, alte Ausblicke mit neuen Visionen zu füllen. js

Ala Fekra

Narrenschiff 2020
www.narrenschiff-label.ch

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Bis das Echo verebbt

Obwohl mit dem Alphorn eng verwandt (weswegen sich seine tonalen Möglichkeiten ebenfalls auf die Naturtonreihe beschränken), dürften den Büchel nur wenige kennen. Zum ersten Mal begegnete ihm der Rezensent im Kultfilm «Ur-Musig». Wirklich dann einmal auf der Alp Obsaum. «Interessiärsch dü dich für Müsig, witt probiere?», fragte mich der Senn und marschierte mit mir zum nahen Aussichtspunkt hoch über Unterschächen. Dort blies er mir eine kurze Kostprobe. Fremdländisch, aber auch wieder seltsam vertraut mutete mich die an, ein wenig wie Alpsegen instrumental. Als das Echo verebbt war, liess mich der Senn mit dem Büchel allein … Ich übte verbissen. Bis er nach einer Viertelstunde wieder vorbeischaute und mir beschied: «So, jetzt müäsch heerä, süscht meinids in Ünderschächä na, der Obsäumer seig irrsinnig wordä.» Auf der CD findet ihr eine umfangreiche, 47 Miniaturen umfassende Sammlung verschiedenster Büchelmusik, wo ihr den Büchel solo, im Duett aber auch im «Call & Response»-Modus hören könnt. Jörg Wäspi

BüchelBox
Balthasar Streiff & Yannick Wey


Zytglogge Verlag 2020
www.zytglogge.ch
www.buechelbox.ch

 

Für Mit- und Nachspielende ist ein Notenheft erhältlich: BüchelBOX Mülirad-Verlag, Altdorf 2020
www.muelirad.ch

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Hey John!

«Hey John, du schickst mir pro Jahr mindestens drei neue CDs, die sich nach fünf anfühlen, so knorplig sprudelig vielschtruppig sind deine Projekte. Hab Erbarmen mit dem Rezensenten! Meinst du, ich habe nichts anderes als John-Wolf-Brennan um die Ohren? Okay, wir wählen «Mountain Songlines». Da hämmerts mir am meisten «Berg» ums Ohr – und am Berg muss sich einer abrackern, um in die zalp zu kommen. Wenn ich dich und das CD-Cover recht verstehe, dann hast du dein Klavier für einige Kompositionen über den Horizont geschoben – Chapeau für diesen Muskelaufwand. Zudem ist bei Pago Libre der Käse bereits einverleibt: No Folklorekitsch, it’s TsCHÄSs! Du bist ein Johndampf in allen Felsbrocken, da gibt es Überraschungen. Mal brauscht eine Lawine zu Tale, mal holpert da und dort ein Stein. Mal lyrt das Waldhorn, mal jazzt das Alphorn. Mal geht der Jodel quer, mal die Songline kreuz. Hey John, dieses Werk ist euch wahrlich farbenreich und vielschichtig gelungen, du kannst mal Pause machen.» gh

Pago Libre
Mountain Songlines

Leo Records 2020
www.leorecords.com
www.pagolibre.com

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Zwei Klangpoeten

Seit fast fünfzig Jahren spielt Töbi Tobler Hackbrett. Als er die Schlägel schon virtuos über die Saiten tanzen liess, kam der Bassist Patrick Sommer zur Welt. Die zwei haben nun eine namenlose CD eingespielt. Besser – ihre Namen «Töbi Tobler Patrick Sommer» allein stehen für die zauberhafte Musik, die wir darauf hören. Sie ist die Summe von zwei Lebensfäden in elf Stücklein. Alle sind sie Etüden, wie die Muster ihrer Instrumente andersherum probiert werden können im Spiel zu zweit. So beginnt der Bass mit der Melodie, dann übernimmt das Hackbrett, und während sich Tobler in den zarten Klanggemälden verliert, was kaum ein Instrument so kann wie seines, singt Patrick Sommer mit dem Bass die Weise. Das In-, Mit- und Auseinander dieser malerisch-melancholischen Musik ist ein Hör- und Sinnesvergnügen. Schön auch, wie hier zwei Wege der Karriere von zeitgenössischen Musikanten zu einem Duo finden: der eine als Autodidakt, wie es in den siebziger Jahren Brauch war; der andere als Absolvent der Musikhochschule, wie es in den neunziger Jahren Sitte wurde. Köbi Gantenbein

Töbi Tobler
Patrick Sommer


www.toebitobler.ch
www.patricksommer.net

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Lab statt Space

Mit Alphorn, Stromgitarre und Elektronik den alpinen Raum ausloten, das wollen Mike Maurer und Jan Trösch. Das klingt verwegen, also probiere ich es aus. Aufgrund fehlender Felswände lasse ich die Musik in die Stube tröpfeln, erst leise sich an den Hauswänden entlangschmiegen, dann reize ich den Volumeregler aus, bis dass die Boxen ruckeln und mein Zwerchfell pocht. Hm. Hm. Sauber gespielt, die Gitarre sägt kräftig an den Alphornklängen, die Loops schlängeln sich unverschämt dazwischen. Aber der alpine Raum will sich mir nicht öffnen. Der Groove fehlt, der Swing fehlt, die Lawine, die Geröllhalde, der Miststock fehlen. Alles klingt mehr nach Lab als nach Space. Gut möglich, dass es nur mir so geht, so nehmt selber einen Schnupf: www.alpine-spacelab.ch. gh

Alpine Spacelab:
Transalpin


Alpine Spacelab 2016
www.alpine-spacelab.ch

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Mach mal: Pause

Was heute viele vergessen: Stille zwischen den Tönen ist wichtig. Vielleicht sogar essenziell. Das hornroh modern alphorn quartet weiss dies aber bestimmt. Zwischen den andächtigen Pausen der modern-traditionellen Stücke stimmen die vier Alphörner dann mit beeindruckender Präzision zu langgezogenen, nachdenklichen bis fröhlich anmutigen Melodien an, zeitgenössische Kompositionen von Georg Haider und traditionelle Motive streichen einem in warmen Klängen über den Rücken. Durch das Spiel mit Harmonie und ertragbarer Dissonanz fährt diese Musik richtig schön ein, wenn man sich darauf einlässt. ln

hornroh modern alphorn quartet:
gletsc


Musiques Suisses, Zürich 2015
www.musiques-suisses.ch

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Alle ungeraden Jahre wieder

Am Festival «Alpentöne» treffen sich in den ungeraden Jahren MusikerInnen aus nah und fern mit allerlei Berg- und Volksmusik im Gepäck. Die CD «Alpentöne» fasst jeweils «The Best of» zusammen für alle, die nicht dabei waren, und für alle, die sich alptönern erinnern wollen. Wer sich einen Überblick zum musikalischen Schaffen der erweiterten alpinen Volksmusik verschaffen will, gelangt mit der CD auf die höchsten Gipfel. Diesmal mit dabei: Ils Fränzlis da Tschlin, Alpini Vernähmlassig, Geschwister Küng, Hans Hassler, Wiener Choralschola und weitere mehr. gh

Alpentöne:
Ein Querschnitt durch das Festival ’15


Musiques Suisses, Zürich 2015
www.musiques-suisses.ch

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Stubete 2012

Crossover – das lieben wir doch. Zur Bratwurst einen Schämpis kippen, eine Nacht im Fünf-Sterne-Hotel übernachten, die nächste im Kornfeld, mal im Bioladen, mal im Aldi einkaufen, mit Krawatte ans Klassik-Konzert und mit Edelweissbrosche an die Stubete. Ein schönes Gefühl: Tun und lassen, wie es uns gerade gelüstet. Heute also Stubete. Und zwar eine, die durch das gesamte heimatliche Musikschaffen crossovert, welches Rang und Namen hat und auf irgendeine Weise dem Begriff «Neue Schweizer Volksmusik» zugeordnet werden kann. Ein Sampler mit 23 Live-Mitschnitten von der Stubete am See 2012. gh

Stubete am See
Ein Querschnitt durch das Festival 2012

 
Musiques Suisses 2012
www.musiques-suisses.ch
www.stubeteamsee.ch

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Manege frei

Die «Alpentöne» kennt man, wenn man sie kennt: Ein buntes Nebeneinander von folkloristischen, klassischen, jazzigen Instrumentals, und Lieder, bei denen sich Klarinette, Querföte, Handorgel und Perkussionsutensilien die Hand reichen und ein «Ringel-Ringel-Reihe» tanzen. Mit den Stücken auf dieser CD wird der Melkstand mit etwas Fantasie zur Manege, der Melcher zum melancholischen Clown, der über das Melchgeschirr stolpert, die Kühe drehen federngeschmückt Runden, während der Senn mit den Zitzen jongliert. ln

Alpentöne:
Querschnitt durch das Festival ’13

 
Musiques Suisses
www.alpentoene.ch
www.musiques-suisses.ch

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