Filme

Weg mit Horn weg!

Engagierter Film gegen das Enthornen der Kühe. Am Beispiel zweier Bauernfamilien aus dem Allgäu wird gezeigt, wie sich Bauersleute aus dem System von «immer mehr, immer effizienter, immer rationeller» ausklinken und ihren eigenen Vorstellungen nachgehen. «Lasst mich Bauer sein, früher war ich Zerstörer», sagt Franz-Josef Kögel, der eine Bauer. Der Film erklärt die Gründe und Geschichte des Enthornens und warum damit die Würde der Tiere und der Bauern draufgehen. Seine Message ist klar: Der schlaue, zeitgemässe Bauer enthornt nicht mehr.

Das liebe Rindvieh
Dokumentarfilm

Regie: Bertram Verhaag
Deutsch
45 Min., DE 2014

CH-Bestellungen bei
Armin Capaul, 032 493 30 25

Wenn’s chrooset und rumplet

Seit jeher spielt die Waldwirtschaft im Berggebiet eine wichtige Rolle. Ohne Schutzwald, Bauholz und Heizmaterial wäre das Leben dort wohl nur schwer möglich gewesen. Die Holzernte ist auch heute noch, allen modernen Maschinen zum Trotz, gefährliche Schwerarbeit. Doch wie nur haben die Altvorderen geholzt, die ohne all diesen Komfort arbeiten mussten? Das macht in eindrucksvoller Weise der Film «Wenn’s chrooset und rumplet» sichtbar. Die Protagonisten Franz und Toni Walker aus Flüelen zeigen, wie das Holzen im Bergwald zu Vaters Zeiten funktionierte, und spätestens wenn riesige Bäume, von Hand gefällt, als Stamm zu Tale gereistet werden, vergisst man, dass es sich eigentlich um einen Amateurfilm handelt. Absolut sehenswert! aw

Wenn’s chrooset und rumplet
Holzen im Bergwald wie zu Vaters Zeiten
Dokumentarfilm
 
Regie: Toni & Franz Walker
DVD Schweizerdeutsch
53 Min., CH 2012

DVD ist erhältlich für CHF 25.– unter walker1943@bluewin.ch

Die Wiesenberger

Der Männer-Jodelchor vom Wiesenberg ist ein Chor wie viele. Als sie 2009 in der TV-Sendung «Die grössten Schweizer Hits» im Duett mit Francine Jordi mit dem Lied «Fiir vo dr Sehnsucht» gewinnen, ändert sich vieles. Für die Handwerker, Bauern und Angestellten aus Wiesenberg beginnt ein phänomenaler und ungewohnter Aufstieg. Sie sind plötzlich berühmt, bekommen von allerorts Engagements, tingeln im Bus von da nach dort. Ist das noch Brauchtum oder einfach nur Showbusiness?

Eine Anfrage für einen Auftritt in Shangai wird für den Chor zur Zerreissprobe. Der Film zeigt die bassisdemokratischen Entscheidungsprozesse in sehr persönlichen Bildern. Ein Teil des Chors geht nach China, die Reise wird zum unvergesslichen Abenteuer für die Wiesenberger. Das alles ist keine Minute langweilig. gh

Die Wiesenberger
No Business like Show Business
Dokumentarfilm
 
Regie: Bernard Weber und Martin Schilt
DVD Schweizerdeutsch
Untertitel: franz., deutsch, englisch
88 Min., CH 2012

www.diewiesenberger.ch

Glückliche Kühe, glückliche Bauern

Kein grosses Kino, aber ein sehenswertes Plädoyer für naturnahe Rinderzucht. Und das heisst: Züchten auf Lebensleistung statt auf Hochleistung. Dabei zeigen die zu Wort kommenden Bauern: Ein langes Kuhleben lohnt sich. Wer sich vom Druck des Immer-mehr-und-immer-Schneller zu lösen vermag, arbeitet letztlich wirtschaftlicher. Denn eine Kuh, die sich von Heu und Gras ernährt, hat eine viel effizientere Futterverwertung – und damit eine bessere Leistungsbilanz – als eine mit Kraftfutter gefütterte Hochleistungskuh, die nach wenigen Laktationsperioden schlappmacht. Ganz abgesehen davon, dass eine naturnah gezüchtete und gehaltene Kuh weniger Klauenprobleme hat, leichter kalbt und ein Stier sich im Gegensatz zum Tierarzt niemals mit dem Besamungszeitpunkt vertut. Eine Agrarindustrie jedoch, die möglichst viel Sperma ihrer Starbullen verkaufen will, hat kein Interesse an langlebigen Tieren. Der Film porträtiert Bauern, die dennoch ihren eigenen Weg gehen, denn: «Wenns keinen Spass macht, mit den Tieren zu arbeiten, dann hats keinen Sinn.» sd

Vom Glück der Kühe
Naturgemässe Rinderzucht
Dokumentarfilm
 
Regie: Bertram Verhaag
Deutsch
DVD 45 Min. DE 2011

www.denkmalfilm.tv

Tanz und Kampf

Alles steuert auf das Kampfgeschehen hin. Die Kamera begleitet zwei Kampfkuhbesitzer, eine Kampfkuhbesitzerin, vier Motorräderjungs und einen Radioreporter wie sie sich fürs kantonale Finale der Kuhkämpfe im Wallis vorbereiten. Man merkt, die Kuh ist nicht aus dem Kopf zu bringen, ausser beim einen Motorradjungen, der sich mehr für die Kampfkuhbesitzerin begeistert. Am Kampftag steigen Spannung und Nervosität – der Tanz der Muskeln und Leiber und Blutdruckkurven beginnt. Intelligent plus witzig gefilmt und in schönstem Schwarzweiss.

Über Geschichte und Tradition der Kuhkämpfe hingegen erfährt man wenig. Hier gehts um Kuh, Mensch und beider Emotionen. gh

Kampf der Königinnen
Dokumentarfilm in schwarzweiss
 
Regie: Nicolas Steiner
DVD Schweizerdeutsch
deutsche Untertitel
72 Min., CH 2011

www.kampfderkoeniginnen.ch

Hier oben

Mont, ein abgelegener Bergbauernhof im Valsertal, Bergzone 4 bildet den Mittelpunkt des Films. Vreni, die Bäuerin, lebt mit ihren drei Kindern Mathis (14), Toni (16) und Remo (18) auf dem steilen Flecken Land. Das Heu für die Milschschafe wird aus Überzeugung von Hand gemäht und auf dem Buckel eingetragen. Auch wenn die Söhne lieber auf Party machen, mit der Videokonsole spielen und Töffschanzen bauen, bei den schweren Arbeiten helfen sie mit. Unterstützung erhält Vreni zudem von Severin, der nach einem Time-Out Aufenthalt in Mont geblieben ist und zum fünften Familienmitglied geworden ist. Die Arbeit mit Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen und Biografien gehört neben der Landwirtschaft zum Broterwerb. -- Vreni reflektiert durch den Film hindurch die Arbeit, die Lebensweise einer Grossfamilie, ihr Ankommen in der Heimat Mont. Werte wie Grosszügigkeit, Vertrauen, Freiheit, Naturverbundenheit und das durch den Arbeitsschweiss erhaltene stärkende Selbstbewusstein, bilden die Lebensweisheiten, die Vreni und der Ort Mont gleichermassen inne haben und weitergeben. Während siebzig Minuten Filmzeit sind wir, leicht verzaubert, dabei, und hoffen, es bleibt etwas vom Geiste Mont in uns haften. gh

Mont
Vom Suchen und Brauchen
Dokumentarfilm
 
Regie: Sylvia Rothe
DVD Deutsch
72 Min., CH 2011

www.rubin-film.de
www.lebenswelt-mont.ch

Am falschen Ort

Das Buch «Von wegen den Tieren» von Noëlle Revaz, das dem Film als Vorlage diente, ist ein Schlag voll in die Magengrube. Selten habe ich etwas so Beklemmendes gelesen. Da wirkt der Film fade, psychologisch holpernd und spielt nervenderweise auf der Alp, wo, wie wir alle wissen, die bösen Buben daheim sind. Kurz: Es geht um den Bauer Paul, der seine Frau Rosie misshandelt, weil er mit sich und seinen Gefühlen nicht zu Rande kommt. Sein spanischer Knecht sagt was wichtig ist im Leben und meint damit Rosie. Paul läutert sich, Rosie kommt von Paul nicht los – am Ende liegen sie sich in den Armen. Was zwischendurch passiert, ist eine Lesepause wert. Also kauft das Buch und vergisst den Film. gh

Couer Animal
Spielfilm
 
Regie: Séverine Cornamusaz, mit Olivier Rabourdin, Camille Japy, Antonio Buil, Alexadra Karamisaris
DVD Französisch und Deutsch
91 Min., CH 2010

Ärgerlicher Horror

Die Sage der Älpler, die sich eine Puppe aus Stroh und Lumpen basteln, um sich daran zu befriedigen ist eine der Einsamkeit und des Verlangens. Damit die Moral stimmt, wird die Puppe lebendig und rächt sich an den Älplern. Soweit so schön. Der Film Sennentuntschi verbiegt die Sage zu einem Thriller mit Horror-Elementen sowie Gegenwartsbezug und folgt einzig den Gesetzen der Effekthascherei. Das Gruseln wird mit Schmincke überdeckt, die Alp als Bühnenbild missbraucht, wovor die Hampelmänner ihrem Script folgen. Unstimmiges wird zum Ärger: Unten das Engadiner Dorf, oben die Innerschweizer Alp; die Dorfbewohner samt und sonders Trottel; der Pfarrer der Bösewicht; das im Verlies grossgewordene Mädchen ein Starlet. Sorry, aber so ist weder das Leben noch ein Film, der einem von Ersterem zwei Stunden losreissen soll. gh

Sennentuntschi
Spielfilm
 
Regie: Michael Steiner
mit Nicholas Ofcazarek, Carlos leal, Roxane Mesquida, Andrea Zogg
DVD Schweizer Dialekt, Engliche Untertitel
110 Min., CH 2010

Horn, Huhn und Bueb

Heimatklänge erzählt die Suche von drei Schweizer Musikern nach ihren Wurzeln. Während sich Stimmkünstler Christian Zehnder (Stimmhorn) mit dem Einfluss der Landschaft auf Musik und Leute auseinandersetzt, drückt das «verrückte Huhn» Erika Stucky mit ihrer Musik ihre beiden prägenden Herkunftsregionen USA und Wallis aus. Der Dritte, Noldi Alder, einst Mitglied der Appenzeller «Alder Buebe», zeigt, wie er sein traditionelles Erbe des Zäuerlens und Geigenspiels zu neuer Musik weiterentwickelt hat. Bei Begegnungen mit Improvisations-Musikern wie Paul Giger lotet er Wurzeln und Blätterspitzen aus.

So unterschiedlich die drei Charaktere sind, gleichen sie sich doch in der Ernsthaftigkeit, mit der sie auf der Suche nach ihrer ureigenen Musik sind. Das berührt und fasziniert. Es ist ein Genuss und heimatliches Schaudern zugleich, sowohl ihren Stimmen als auch ihren Worten zu lauschen. (Fabienne Baer)

Heimatklänge
vom Juchzen und anderen Gesängen
Dokumentarfilm
 
Regie: Stefan Schwietert
81 Min., CH 2008
www.heimatklaenge.ch

Schafe für die geschwellte Brust

Bergbauern sind sie keine mehr, Reinhold und seine Schafzuchtkollegen aus dem Walliser Dorf Eggerberg. Sie arbeiten im Tal in der Industrie, im Schichtbetrieb. Die Schwarznasenzucht betreiben sie in ihrer Freizeit. Dabei geht es nicht um Fleisch oder Wolle, sondern um die Schönheit der Tiere und das Prestige ihrer Besitzer. Schwarznasen sind Teil der Oberwalliser Identität.

Die urigen Schwarznasenschafe gewinnen unsere Herzen, doch sehen wir keine Bergromantik, sondern eine Welt von heute. Das Nebeneinander von industrieller Moderne und Zuchttradition, Stallarbeit und Ausgehen. Aber auch die Brüchigkeit dieser Existenz. Kinder, die sich nicht mehr für die Schwarznasen interessieren, und Frauen, die, statt Heu zu machen, lieber reisen würden. (gh)

Schneeweise Schwarznase
Dokumentarfilm
 
Regie: Sylviane Neuenschwander-Gindrat
86 Min., CH 2006
www.ghornuti.ch

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