Filme

Horn, Huhn und Bueb

Heimatklänge erzählt die Suche von drei Schweizer Musikern nach ihren Wurzeln. Während sich Stimmkünstler Christian Zehnder (Stimmhorn) mit dem Einfluss der Landschaft auf Musik und Leute auseinandersetzt, drückt das «verrückte Huhn» Erika Stucky mit ihrer Musik ihre beiden prägenden Herkunftsregionen USA und Wallis aus. Der Dritte, Noldi Alder, einst Mitglied der Appenzeller «Alder Buebe», zeigt, wie er sein traditionelles Erbe des Zäuerlens und Geigenspiels zu neuer Musik weiterentwickelt hat. Bei Begegnungen mit Improvisations-Musikern wie Paul Giger lotet er Wurzeln und Blätterspitzen aus.

So unterschiedlich die drei Charaktere sind, gleichen sie sich doch in der Ernsthaftigkeit, mit der sie auf der Suche nach ihrer ureigenen Musik sind. Das berührt und fasziniert. Es ist ein Genuss und heimatliches Schaudern zugleich, sowohl ihren Stimmen als auch ihren Worten zu lauschen. (Fabienne Baer)

Heimatklänge
vom Juchzen und anderen Gesängen
Dokumentarfilm
 
Regie: Stefan Schwietert
81 Min., CH 2008
www.heimatklaenge.ch

Schafe für die geschwellte Brust

Bergbauern sind sie keine mehr, Reinhold und seine Schafzuchtkollegen aus dem Walliser Dorf Eggerberg. Sie arbeiten im Tal in der Industrie, im Schichtbetrieb. Die Schwarznasenzucht betreiben sie in ihrer Freizeit. Dabei geht es nicht um Fleisch oder Wolle, sondern um die Schönheit der Tiere und das Prestige ihrer Besitzer. Schwarznasen sind Teil der Oberwalliser Identität.

Die urigen Schwarznasenschafe gewinnen unsere Herzen, doch sehen wir keine Bergromantik, sondern eine Welt von heute. Das Nebeneinander von industrieller Moderne und Zuchttradition, Stallarbeit und Ausgehen. Aber auch die Brüchigkeit dieser Existenz. Kinder, die sich nicht mehr für die Schwarznasen interessieren, und Frauen, die, statt Heu zu machen, lieber reisen würden. (gh)

Schneeweise Schwarznase
Dokumentarfilm
 
Regie: Sylviane Neuenschwander-Gindrat
86 Min., CH 2006
www.ghornuti.ch

Shopville, Autobahn und Alphütte

Wo gehört eigentlich das Alphorn hin? Auf eine Alp, in den Saal des Hotel Rigi, auf den roten Platz in Moskau, unter eine Strassenbrücke, in den Hauptbahnhof Zürich, ins Museum oder in einen Film? Es mag Leute geben, die wissen das genau und denen darf man getrost misstrauen.

Schwietert zeigt schweizerisches Musikschaffen entlang der langen Röhre durch viele Gefilde. Folkloreentstauber wie Hans Kennel und Balthasar Streif mit der Alphorn- und Büchelgruppe «hornroh» spielen frisch und ohne ideologischen Ballast in moderne Jazz- und Weltmusikgegenden vor. Der Komponist Hans-Jürg Sommer erzählt die Geschichte des «Moosruefs», der vielleicht alphornigsten Melodie, die jede noch rührbare Seele zum swingen bringt. Interpretiert in der Rückenschauerversion der Schönbächler Sisters. Gezeigt wird auch eine Japaneranimiertruppe mit Edelweisszähnen und Alpenrosenlächeln, bei der man nicht weiss, ob man lachen oder weinen soll. Das Alphorn gehört in die heutige Zeit, vielleicht. gh

Das Alphorn
Dokumentarfilm
 
Regie: Stefan Schwietert
76 Min., CH 2006
www.artfilm.ch

Den Rücken hinunter

Weisst du, wie man im Toggenburg singt? Und warum es die Schellen auch tun? Weisst du, wie man eine Schelle herstellt, warum man Durst dabei kriegt, und wie der letzte Schellenmacher in der Schweiz heisst? Weisst du, warum wortkarge Leute dem Gesang mehr trauen als dem Wort und warum man eine ernste Miene dazu macht? Warum das Johlen der Stille näher ist, als dem Fussballplatz und das Werchen ohne johlen nie aufhört? Weisst du, wie eine Zugtoilette singen kann und warum du sie noch nie gehört hast? Warum der Klang die vierte Dimension nach Melodie, Harmonie und Rhythmus ist? Und weder modern noch unmodern, weder alt noch neu ist? Weisst du, dass nach dem Verklingen der Schellen der Tod kommt? «Wenn es dich friert, kann es nicht mehr schöner werden.» gh

Johle und Werche
Dokumentarfilm
 
Regie: Thomas Lüchinger
CH 2006

Fünf Höfe und ihre Entwicklung seit 1994

Der eine sah für seinen Hof keine Zukunft mehr; der andere begann amerikanische Büffel zu züchten; und der dritte hatte noch keine Frau… Das war Mitte der Neunziger Jahre. Damals drehte der Berner Filmemacher Christian Iseli den erfolgreichen Dokumentarfilm «Der Stand der Bauern». Mehr als zehn Jahre später hat er die Höfe noch einmal besucht. Sein neuer Film zeigt, wie sich Bauern und Bäuerinnen der immer schwieriger werdenden Situation der Landwirtschaft angepasst und auch persönlich verändert haben. Klappentext

Bauern zum Trotz
Dokumentarfilm
 
Regie: Christian Iseli
53 Min., CH 2006
www.ifilm.ch

Fünf Bauernbetriebe mal zwei Jahrzehnte

Christian Iseli portraitiert in seinem Film eindrucksvoll fünf verschiedene Bauernfamilien und liefert Hintergrundinformationen zur Stellung des Bauernstandes in der schweizerischen Gesellschaft, die den Mythos des staatserhaltenden Bauerntums weiterpflegt. Die Verwurzelung in der Tradition hindert jedoch die heutigen Bauern und Bäuerinnen nicht daran, nach sehr unterschiedlichen Überlebensstrategien zu suchen. Eine spannende und berührende Auseinandersetzung mit der bäuerlichen Schweiz.

Im Jahr 2004 hat Christian Iseli die Bauernfamilien noch einmal besucht und fünf Kurzfilme über die betrieblichen und familiären Veränderungen gedreht, die auf der DVD beiliegen. (Klappentext)

Der Stand der Bauern
Dokumentarfilm
 
Regie: Christian Iseli
53 Min, CH 2006
www.ifilm.ch

Liebe eingeklemmt zwischen Brocken von Moral

Zwei Cowboys kommen sich auf einer Schafalp in Wyoming näher, eher in Leidenschaft denn in Liebe. Sie heiraten, gründen Familien und kommen doch nicht voneinander los.

Die Älpler per Ross unterwegs, Schafe hüten entlang endloser Grenze in Wyoming, gegen Bär und Wolf verteidigen, den Alpmeister im Nacken, die Moralvorstellungen mustergültiger Amerikaner gegen sich. Das kann nicht gut gehen. Ein starkes Stück preisgekröntes Filmgeschehen für ÄlplerInnen, die wenigstens per Film mal ausserhalb der Schweiz hirten wollen. gh

Brokeback Mountain
Spielfilm
 
Regie: Ang Lee; mit Heath Ledger, Jake Gyllenhaal
130 Min., USA 2005
www.brokebackmountain.de

Weit voneinander weg

Sommerstimmung auf einer Schweizer Alp: In matten Dunst gehüllte Schneegipfel, blauer Himmel, satte Wiesen, fette Kühe. Kuhglocken klingen. Ein Mann hockt auf einer Krete und versucht stumm, eine Kuh anzulocken. Das Bild wäre kitschig, handelte es sich bei dem Viehhirten nicht um einen Peul aus Burkina Faso.

Q zeigt drei Viehzüchter und Milchhändler aus Mali und Burkina Faso auf ihrer Reise in die Schweiz, wo sie mit ihren Berufskollegen, zwei Milchbauern im Seeland und einem Käsereiunternehmer im Berner Oberland, zusammentreffen. Dabei werden die unterschiedlichen Wahrnehmungen, die Schweizer von Afrika und Afrikaner von Europa haben, deutlich. Themen sind: Das Verhältnis zwischen Mensch und Vieh; die Kuh als Trägerin gesellschaftlicher Projektionen; Ansichten über die gute Viehhaltung; die Arbeit des Melkers und die Verarbeitung der Milchprodukte; Diskussionen über Milchmengen, Zucht und künstliche Besamung; Ernährung und Wasser; Markt und Globalisierung. gh

Q Begegnungen auf der Milchstrasse
Dokumentarfilm
 
Regie: Jürg Neuenschwander
115 Min., CH 1993
mit Zusatz DVD: Q besucht den Sahel
www.container-tv.com

Runter an die Wurzeln

Bilder, vor allem Bilder, Musik und Töne aus einer ursprünglichen Schweiz. Eine musikalische Reise in die Welten und Klanglandschaften der Innerschweiz und des Appenzellerlandes.

Die unkonventionelle und kompromisslose Machart dieses Musikfilmes stiess anlässlich seiner erfolgreichen Premiere im Rahmen des Internationalen Filmfestivals Locarno 1993 beim Publikum auf grosse Aufmerksamkeit. Der preisgekrönte Schweizer Volksmusikfilm nahm an zahlreichen in- und ausländischen Musik- und Filmfestivals teil und hatte Erfolg bei einem Publikum, das weit über den Kreis der traditionellen Volksmusikfreunde reicht. UR-MUSIG war in der ganzen Schweiz ein Kino-Dauerbrenner und erlangte schliesslich seinen Kultstatus, nachdem der Film in Zürich mehr als zweieinhalb Jahre ununterbrochen als Sonntagsmatinee aufgeführt wurde. gh

Ur-Musig
Dokumentarfilm
 
Regie: Ciryll Schläpfer
115 Min., CH 1993
www.csr-records.ch

Von wo kommt denn der Spruch her?

So almig gehts in dem Film gar nicht zu und her. Der Klassiker aller nachkommenden Lederhosenfilme tummelt sich eher in Gasthäusern, auf Bauernhöfen und in Betten. Doch der Spruch «Auf der Alp, da gibts kei Sünd» sitzt bis tief in die Wurzel eines Älplers, einer Älplerin. Von der Story her geht es um einen in irgendeiner Lederhose verschwundenen Mikrofilm, der von einer Dame zwecks eigener Bereicherung gesucht wird. Das ist denn auch schon alles. Ein etwas lauer Witz ist der Produktion nicht abzusprechen und gegenüber heutigen Pornofilmen wird gesittet gevögelt und ohne grosses Make-Up, fast ein bisschen neue natürliche Welle. Als revolutionärer Freiheitsfilm, auf der Alp seine Lust auszuleben, taugt er aber nicht. gh

Auf der Alp da gibt’s koa Sünd
Softporno
 
Regie: F. J. Gottlieb
85 Min, DE 1974

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