Recht und Gerechtigkeit
1988 wird auf der Alp Falätscha im Safiental der Zusenn mit einer Mistgabel erstochen. Das Alpteam verbuddelt die Leiche, das Tal schweigt. 28 Jahre später schaufelt die Polizei aufgrund einer Aussage die Knochen wieder aus. Was ist an jenem Tag geschehen?
Die Kommissare Calonder und Rauch aus Chur bringen mit ihrer Ermittlung Aufruhr in die verschworene Talgemeinschaft – sie würde die Vergangenheit lieber ruhen lassen. Der Fall schraubt sich in vielen Verhörgesprächen nur zäh Richtung Aufklärung. Nebst dieser geht es aber vor allem um die grossen Themen der Schuld, der Verschwiegenheit zum Schutz der eigenen Familie und wie weit das Recht zur Gerechtigkeit führen kann. Was sich wie eine rote Strohballenschnur durch die Geschichte zieht: Richtig leicht nimmt hier keiner das Leben – ausgenommen vielleicht die Kellnerin im Restaurant Turrahus.
Der Autor verliert auf den 650 Seiten nie den Respekt gegenüber der bäuerlichen Gesellschaft, er lässt sich Zeit, seine Charaktere fein zu ziselieren. Dabei geraten sie nicht – wie häufig bei modernen SchriftstellerInnen – dumb und hinterwäldlerisch. Das ist ihm hoch anzurechnen. (gh)
Stefan Gartmann
Falätscha
Vom Schweigen in den Bergen
Gebunden, 650 Seiten
bilgerverlag 2026
978-3-03762-117-2
www.bilgerverlag.ch