Bücher

Ein lehrreiches Buch für jede Alphütte

Dem aufmerksamen Beobachter verraten Alpenpflanzen mit ihrem jeweilig spezifischen Wuchs und ihren eigenwilligen Blüten- und Blätterformen viel über Überlebensstrategien im klimatisch anspruchsvollen Alpenraum. Dieses Buch hilft einem beim Erkennen dieser Merkmale. In einer kurzen Einleitung zeigen die Autoren den geschichtlichen Hintergrund der Alpenpflanzen auf und mit welchen Strategien sie die vielfältigen Lebensräume der Alpen besiedeln konnten. Einige Arten sind nach Lebensräumen geordnet, andere nach Überlebens- oder Vermehrungsstrategien. Neben den Samenpflanzen haben auch einige Bärlappe, Farne und Flechten den Weg in das Buch gefunden. Die mit dem Lebensraum einhergehende «Überlebensstrategie» ist für jede Art kurz beschrieben. So erfährt der und die Lesende z. B. spannende Details über Sinn und Funktion glänzender Blätter bei der Silberwurz an sonnigen oder den Vorteil des Polsterwuchses des Schweizer Mannsschilds an kalten Standorten. Die anatomischen Merkmale der 50 Arten beschreiben die Autoren mit genauer Beobachtungsgabe in den Artenporträts, welche mit Illustrationen ergänzt werden. Interessant sind auch die Abschnitte über Vorkommen und Verbreitung der Pflanzen sowie deren Wirkung als Heilpflanzen. Der Einfluss des Menschen auf die Alpenpflanzen wird kritisch dargestellt und regt zum Nachdenken an. Die Symbiose von einfach verständlichen sowie wissenschaftlich fundierten Details über die spannenden Arten macht dieses Buch zu einem unverzichtbaren Bestandteil für jede Alp- oder Berghütte. Martin Götsch

Schauer, Caspari:
Überlebenskünstler

50 aussergewöhnliche Alpenpflanzen

Gebunden, 256 Seiten, viele Bilder und Illustrationen
Haupt Verlag 2019
ISBN 978-3-258-08079-6
CHF 39.00
www.haupt.ch

Faszinierend

Die Autorinnen nehmen uns mit auf ihre Reisen rund um die Welt der Landwirtschaft und wie sie sein könnte, wenn wir begreifen würden, dass alles miteinander in Beziehung steht: Mensch, Tier, Pflanze, Boden. Wir besuchen eine Mikrofarm in Frankreich, die grösste solidarische Landwirtschaft in Südkorea, wir diskutieren über den Bauernlohn, ob wir Tiere töten dürfen und wie wir von der Gen-Baumwolle wegkommen. Daneben erfahren wir, dass Erbsen Ohren haben, dass der Regenwurm ein Bioturbator ist und wie die Ulmen mit Parfum gegen den Ulmenblattkäfer vorgehen. Das alles ist verständlich geschrieben, spannend zu lesen und manchmal macht es Knack im Hirn. Zum Ende des Buches wünscht man dessen Gedankengut in die Etagen des Bundesamts für Landwirtschaft und auf die oberen Heubühnen des Schweizer Bauernverbands. In der Hoffnung, sie würden aus ihren Tretmühlen von «immer grösser, immer effizienter» hinausfallen. Von uns haben sie je ein Buch bekommen. gh

Florianne Koechlin, Denise Battaglia:
Was Erbsen hören und wofür Kühe um die Wette laufen

Verblüffendes aus der Pflanzen- und Tierwelt

gebunden, 250 Seiten
Lenos Verlag 2019
ISBN: 978-3-85787-490-1
CHF 33.50
www.lenos.ch

Kommt mal runter von der Kuh (1)

Die zwei Bücher «Kuhhorn» und «Von der Würde der Kuh» scharwenzeln um das Themenfeld «Kuh» und unseren Umgang mit ihr. Wir wissen, die Kuh, das Rind ist ein tolles Tier, ein Tier wie wir. Jetzt muss man aber eine Kuh nicht zum Kulttier machen, nur weil sie zuerst unsere Kulturlandschaft frisst und dann auf unserem Teller landet, man muss ihr Wesen nicht übermässig überhöhen und es ist unnötig, die Kuh an ihren Hörnern aufzuhängen um ein Medienstar aus ihr zu machen, weder als methanausstossendes Monster noch als leuchtendes Wesen voller Güte und Liebe – erstes ist Schwachsinn zweites Vermenschlichung (auch daneben).

David Hunziker:
Kuhhorn

Die Würde der Kuh und die Grenzen der industriellen Landwirtschaft

Hardcover, 164 Seiten
AT Verlag 2018
ISBN 978-3-03800-997-9
CHF 19.90
www.at-verlag.ch

Kommt mal runter von der Kuh (2)

Inhaltlich sind sich die beiden Bücher ziemlich ähnlich, es kommen weitgehend dieselben Leute zu Wort. In beiden Büchern finden sich Wissenschaft, Kosmos, Gesellschaftskritik, am Rande etwas Philosophie zum Tier «Kuh» und zum Tier «Mensch». In beiden lesen wir Vieles, was wir an Geräuschen rund um die Kuhhorn-Initiative schon vernommen haben. Das Buch «Kuhhorn» tendiert in Richtung Gesellschaftskritik und Philosophie, das Büuch «Würde» in Richtung Esoterik und Wiedergekäutem aus Martin Otts «Kühe verstehen». Die grossen Fragen: wie geht richtiges Bauern, wie geht eine Landwirtschaft ohne Ausbeutung von Boden und Tieren, diese Fragen werden vielfältig diskutiert – aber sie bleiben. Denn um unsere Beziehung zur Kuh geht es nur am Rande, wenn wir die Kuh in den Stall der Landwirtschaftspolitik stellen. Deren Maxime bleibt weiterhin: Grösser und effizienter, wie dumm und dümmer das auch ist. Da wünscht man sich als Leser, als Leserin mehr Bücher zum Thema «die Würde der Bauern und warum sie verloren geht». gh

Martin Ott, Armin Capaul, Anet Sprengler Neff, Christian Butscher, Eva-Maria Wilhelm:
Von der Würde der Kuh

Aufsätze und Gespräche

Gebunden, 139 Seiten
Fona Verlag 2018
ISBN 978-3-03781-097-2
CHF 28.00
www.fona.ch

Archäologie auf den Alpen

Spätestens seit dem Boom um Ötzi gehört es zum Allgemeinwissen, dass die Alpen in prähistorischer Zeit kein menschenleerer Ort waren. Und spätestens seit einem gross angelegten archäologischen Forschungsprojekt im schweizerisch-österreichischen Grenzgebiet der Silvretta ist bekannt, dass auch die hochalpine Weidewirtschaft inkl. Milchverarbeitung bis ins dritte Jahrtausend v. Chr. zurückreicht. Weitaus weniger im Fokus des Interesses stehen jedoch die mehr oder weniger sichtbaren Überreste von Alphütten, die als Zeugen der historischen Alpwirtschaft praktisch auf jeder Alp zu finden sind. Angesichts der beschränkten finanziellen Mittel werden solche alpine Wüstungen, d. h. in historischer Zeit aufgelassene Gebäude, höchstens dann untersucht, wenn sie durch Bautätigkeiten zerstört werden. Auch die umfangreiche Dokumentation von knapp vierhundert Trockenmauern im östlichen Berner Oberland auf rund 1400 bis 2000 m ü. M., auf die sich Brigitte Andres in ihrer Dissertation stützt, hängt mit Plänen zusammen, die Infrastruktur der hochalpinen Skigebiete auszubauen. Während der sorgfältig erarbeitete Katalogteil trotz seiner Anschaulichkeit eher etwas für Fachfrauen und -männer ist, bietet der Text für alle an der Geschichte der Alpwirtschaft Interessierten eine Fülle an Informationen. Obwohl Fachliteratur, ist der Text gut verständlich geschrieben und angenehm zu lesen. an

Brigitte Andres:
Alpine Wüstungen im Berner Oberland

Ein archäologischer Blick auf die historische Alpwirtschaft in der Region Oberhasli
 
gebunden, 364 Seiten, 187 Abbildungen
Schweizer. Burgenverein 2017
ISBN 978-3-908182-26-9
CHF 70.–
www.burgenverein.ch

Ein Winkel voll Herrgott

Das Buch «Geister, Bann und Herrgottswinkel» zeigt mit vielen Bildern, Informationen und Geschichten, wie sich unsere Vorfahren gegen Geister, Gespenster und andere Bedrohungen zu wehren versuchten. Es erzählt von Zauberbüchern, von christlichen und vorchristlichen Symbolen in Haus und Stall, von Geisterzimmern, von starken Kreuzen, Medaillons und Amuletten, von Kraft besonderer Kräuter, von Zauberwurzeln und Hufeisen, von Lärmbräuchen, von Fruchtbarkeitsritualen und Liebeszauber.

Das Buch führt die LeserInnen auf eine Gratwanderung zwischen Glauben und Aberglauben und animiert zu einer spannenden Auseinandersetzung mit unserer «geistigen» Heimat. Ein sagenhaftes Sagenbuch. gh

Hanspeter Niederberger, Christoph Hirtler:
Geister, Bann und Herrgottswinkel

 
bildfluss-Verlag
Neuauflage Altdorf 2017
ISBN 978-3-9524501-2-3
CHF 50.–
www.bildfluss.ch

Bittschön, was ist ein Fugibootschä?

In wenigen Worten die Fülle an Bildern und Informationen, die Hirtler auf 500 Seiten zusammengefasst hat, zu umreissen, fällt schwer. Da helfen nur Stichworte: Geschichte der Urner Berglandwirtschaft, Essay von Fredi M. Murer, historische Rückblenden von Urner Fotografen, Kurzporträts von 22 Alpen, Literatursplitter von Arno Camenisch, 100 Tage Alp in Bildern von Christof Hirtler, Ausblicke in die Zukunft. Die Seele des Buches aber sind die eindrücklichen Erzählungen der Urner Bergbäuerinnen, Bergbauern und ÄlplerInnen. Hirtler lässt sie reden und wir hören ihnen gebannt zu – was haben diese Leute gearbeitet, geschwitzt, entbehrt. «Schiär nit zum gläübä, wiän äs gsy isch und äs hit isch.» So wird Berglerleben erlebbar. Und wer nicht weiss, wer und was ein «Tinner» und ein «Fugibootschä» ist, den lassen wir weiter rätseln – soll er das Buch kaufen. gh

Christof Hirtler:
Hirt, Tinner und Fugibootschä

Urner Berglandwirtschaft – früher, heute, morgen
 
495 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
bildfluss, Altdorf 2015
ISBN 978-3-9524501-1-6
CHF 56.–
www.bildfluss.ch

Gemeinsam auf dem Acker

Konsumenten graben, jäten, ernten gemeinsam mit Gemüsebäuerinnen – und sichern durch Vorauszahlung für mindes­tens eine Saison deren Einkommen. Dies ist das Grundprinzip der «solidarischen Landwirtschaft»; das Risiko von Ausfällen durch schlechtes Wetter oder Schädlingsbefall wird dadurch von den Konsument­Innen mitgetragen. Ihre wöchentliche Gemüsetasche holen sie in einem regionalen Depot ab – vielleicht hats darin wegen ungünstiger Witterung einmal weniger Bohnen als geplant, dafür mehr Brokkoli und Rüebli.

1978 wurde in Genf die erste Gemüseko­operative Europas gegründet. Seither sind in der Schweiz rund 50 Projekte mit mehreren Tausend Beteiligten entstanden. Bettina Dyttrich portraitiert ein Dutzend Beispiele und lässt die Lesenden kritisch an der Erfolgsgeschichte teilnehmen, Gior­gio Hösli liefert die Bilder dazu. Im Anhang finden sich Tipps und Stolpersteine für Bäuerinnen, Bauern und Interessierte, die solidarisch landwirtschaften wollen. Und die es nicht wollen, bekommen einen Einblick in eine andere Form der Landwirtschaft, die neben der konventionellen machbare Alternativen aufzeigt. Ein wichtiges Hand- und Lesebuch, das vermittelt: Es scheint Freude zu machen, so zu arbeiten! Lesen, verschenken – und staunen, was sich weiter bewegt … cs

Bettina Dyttrich, Giorgio Hösli:
Gemeinsam auf dem Acker

Solidarische Landwirtschaft in der Schweiz
 
288 Seiten, gebunden
170 Farbbilder
Rotpunktverlag, Zürich 2015
ISBN 978-3-85869-667-0
CHF 38.–
www.rotpunktverlag.ch

Ohne Heimatzwang

Auch wenn die MusikerInnen aus der «Szene» den Begriff «Neue Volksmusik» ablehnen, haben Johannes Rühl und Dieter Ringli, Leiter des Festivals Alpentöne, ihr Buch so benannt – wohl im Wissen, dass man benennen muss, was man beschreiben will. Der erste Teil des Buch geht den Ursprüngen nach, lotet die Bezüge zu anderen Musikgenres aus, holt die ExponentInnen ans Licht und rückt manche falsche Vorstellung an den richtigen Ort. Denn «neu» ist diese Volksmusik natürlich keineswegs, die meisten MusikantInnen bedienen sich bei altem Material. Sie ist «auch keine Rebellion oder gar Revolution, wie das von Journalisten immer wieder heraufbeschworen wird. Die Zeiten, als man gegen eine erstarrte, nationalkonservative Traditionspflege angetreten ist, sind längst vorbei», schreibt Ringli. Die Annäherung der «neuen» und der «traditionsbehafteten» Szene bleibt jedoch zaghaft. Dies mag einerseits an den MusikerInnen selber liegen, an ihrer unterschiedlichen politischen Gesinnung, an ihrer unterschiedlichen musikalischen Herkunft und Ausbildung – andererseits am Publikum, das bei den «Neuen» mehrheitlich urban geblieben ist. Zu hören ist die Musik auf Radio SRF 2 und nicht auf Radio Eviva.

Das Buch ist dank seiner breiten Auseinandersetzung mit der Schweizer Volksmusik unerhört und ausgesprochen spannend. Es enthält als Goodie eine CD mit den wichtigsten VertreterInnen der «Neuen Volksmusik» wie Alpine Experience, Stimmhorn, Hujässler, Doppelbock, Nadja Räss, Erika Stucky und anderen mehr. gh

Dieter Ringli, Johannes Rühl:
Die Neue Volksmusik

Siebzehn Porträts und eine Spurensuche in der Schweiz
 
362 Seiten, gebunden
mit Musik-CD
Chronos Verlag, Zürich 2015
ISBN 978-3-0340-1310-9
CHF 38.–
www.chronos-verlag.ch

Bis auf den Grund der Milch

Eine Wiese ist etwas Schönes zum Anschauen, aber fressen können wir sie nicht. Auch wenn die üppigsten Gräser und Kräuter uns locken, wir würden verhungern. Dank Wiederkäuern und anderen Milchtieren kommt die Wiesenahrung trotzdem auf unsere Teller und in unsere Gläser. Die Zeitschrift «Journal Culinaire» steckt den Trinkhalm tief in den Rohstoff Milch, gibt Auskunft zu politischen, chemischen und gesundheitlichen Aspekten. Es schreiben Wissenschaftlerinnen, Kulturphilosophen, Historikerinnen, Köche und Milchexperten zu allen Fragen der Milch, die uns schon immer interessierten, deren Antworten wir als der Gattung Säugetiere zugehörig schon immer vermissten. Was tut die Kuh für den Boden? Was ist der Unterschied zwischen frischer Milch und Rohmilch? Warum vertragen die einen Milch nicht, für andere ist sie der Aufbaustoff fürs Immunsystem? Wie beeinflusst die Haltbarmachung der Milch unsere Gesundheit und unsere Gesellschaft? Verziert werden die nicht immer leicht verdaulichen, aber doch sättigenden Texte mit Milch-Spezialrezepten für Leute, die Exklusivität vor das eigentliche Nahrungsmittel stellen. Hier verstrudelt sich die Diskussion um die Milch in den Ideologien Wohlstandsverirrter. Aber dafür kann das «Journal Culinaire» nichts. Fazit: Journal lesen, Milch trinken, Käse fressen. gh

Journal Culinaire
Frische Milch

Kultur und Wissenschaft des Essens
No. 18/2014
 
150 Seiten, Hardcover oder Download
Edition Wurzer & Vilgis, Münster 2014
ISBN 978-3-941121-18-8
CHF 24.–, EUR ca. 15.–
www.journal-culinaire.de

Ausgedehnte Stafelwirtschaft

Zu einer Alp gehört für uns eine gut ausgebaute Alphütte und ein gemauerter Stall. Um die unterschiedlichen Höhenstufen geeignet zu beweiden, können es drei Stafel sein, eventuell ergänzt durch feste oder mobile Melkstände. Alther beschreibt in ihrem Buch eine weiter ausgedehnte Bewirtschaftungsform, bei der Käsereigerätschaften, Vieh und Zeltplane pro Sommer auf bis zu 17 Stationen gezügelt werden. Auf der Alp Trona Soliva im Veltlin melkt und käst die Familie Manni heute noch mit einfachsten Mitteln bei und in rudimentären Steinmauern, dem «Calécc», geschützt durch eine zügelbare Zeltplane als Dach. Gemolken wird von Hand, hergestellt wird zweimal täglich «Bitto» (Käse) und «Maschérpa» (Ziger) aus Kuh- und Ziegenmilch.

15 Alpbetriebe betreiben diese traditionelle Bewirtschaftungform noch. Hygienerichtlinien, Strassenbau und ganzjährige Talproduktion des «Bitto»-Käse machen ihre Existenz jedoch ungewiss. Wenn das reich bebilderte Buch von Alther einen Beitrag zum Bestehen der Caléec-Wirtschaftsweise und nicht nur zur Musealisierung leistete, wäre das toll. gh

Yolanda Alther:
Vertikal Mobil

Ein Beitrag zum Verständnis alpiner Wirtschaftsformen in der Archäologie
 
136 Seiten,broschiert
140 Schwarz-Weiss-Bilder
Archäologischer Dienst Graubünden, Südostschweiz Buchverlag, Chur 2014
ISBN 978-3-906064-24-6
CHF 24.–
www.somedia-buchverlag.ch/

Bestandesaufnahme Alpwirtschaft

Das Buch, das die Ergebnisse von 80 Forschenden aus 17 Institutionen während 5 Jahren zusammenfasst, bietet für Leser ausserhalb der Alpwirtschaft eine gut lesbare, verständliche Bestandsaufnahme der momentanen Bewirtschaftung der Alpen mit all ihren Facetten (Futterpotenzial, Tierwohl, Tiergesundheit, Arbeitsort, Produkteherstellung, Tourismus, Landschaftspflege). Wer in der Alpwirtschaft schon etwas länger arbeitet, wird nur punktuell Neues erfahren. Forscher können wohl Daten erheben, Statistiken erstellen und Zahlen in Grafiken zusammenfassen, das Wissen und die Erfahrung über die Alpwirtschaft ist aber bei den Leuten, die auf den Alpen arbeiten.

Dem Buch liegen zwei Film-DVDs bei: Auf der einen DVD erzählen Älpler über ihre Weideführung und -pflege (sehenswert), auf der anderen flimmert der Film Sommerzeit, der ein paar Forscher von AlpFutur auf ihren Alpwegen begleitet (überflüssig). gh

AlpFUTUR:
Zukunft der Schweizer Alpwirtschaft

Fakten, Analysen und Denkanstösse aus dem Forschungsprogramm AlpFUTUR
 
198 Seiten, broschiert
viele Farbbilder
2 DVD
WSL und Agroscope ART, 2013
ISBN 978-3-905621-55-6
CHF 30.–
www.wsl.ch

Lasst die Hörner los

Wenn es um die Bedeutung der Hörner für die Kuh geht, geht es auch um Kühe ohne Hörner. Denn würden wir nicht enthornen oder hornwegzüchten, dann müssten wir uns nicht über des Horns Bedeutung unterhalten, es wäre einfach an der Kuh wie das Ohr, der Schwanz, die Glocke und die TVD-Nummer. Das ideologisch vernagelte Diskussionsfeld rund um die Hörner hat die Grösse einer unendlichen Kuhhaut, aber schlussendlich kappen wir die Hörner, weil wir es können und die Kuh oder Geiss nicht stirbt, sondern auch hornlos Milch und Fleisch liefert. Die Broschüre bleibt hier eher sachlich, wenn auch der biodynamische Hintergrund der AutorInnen durchschimmert. Kurz und informativ wird auf Beschaffenheit und Aufbau des Horns sowie der Klauen eingegangen, die Wichtigkeit der Hörner für den Stoffwechsel sowie für das Selbstbewusstsein und die Herdenhierarchie der Tiere wird erklärt. Man erfährt, wie die Hörner mit der Ausgestaltung des Körpers zusammenhängen und wie sich die Hörner beim Embryo entwickeln, und man kennt nach der Lese den Unterschied zwischen Horn und Geweih. Lektüre für die, die es schon immer wussten, aber vor allem für die, die es noch wissen sollten. gh

Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL (Hrsg.):
Die Bedeutung der Hörner für die Kuh

 
16-seitige Broschüre
FiBL, Frick 2015
ISBN 978-3-03736-272-3
CHF 9.– EUR 7.–
www.fibl.org

Es klopft, es schellt, es glingelet

Ob Schölle oder Klopfe, ob Rumpla, Glungge, Bisse oder Plümpe – Glocken und Treicheln werden auf der ganzen Welt geschwungen und geschlagen um Unheil zu vertreiben, Olympische Spiele einzuläuten, die Zeit anzugeben, dem Nachbar den Schlaf zu rauben, eine Geburt oder den Tod zu verkünden, die Alpzeit einzuläuten usw. Nutzen, Brauchtum und handwerkliche Herstellung werden im Buch mit vielen Bildern und in ausführlichen Texten aufgezeigt. Eine kurze Klanganalyse wird erstellt, der Schellenriemen und seine Verzierungen näher betrachtet, Sammler und Händler kommen zu Wort. Kurz: Ein umfassender Einblick in die Glockenkunde. gh

Claude Quartier, Robert Schwaller:
Glocken und Treicheln

Tradition, Handwerk, Kultur
 
184 Seiten, gebunden
240 Farbfotos
AT Verlag, Aarau 2013
ISBN 978-3-03800-668-8
CHF 44.90

Symbolfigur von Horn bis Schwanz

Es ist nicht das erste Buch zur oder über die Kuh, und da die Schweizer Kuh unsterblich scheint, wird es nicht das letzte sein. Möglicherweise täuscht aber auch der Titel, denn im Buch geht es – trotz der vielen vielen Abbildungen der Kuh in der Kunst, in der Werbung und als Gebrauchskuh im Stall, auf der Weide, in der Besamungsstation, in der Metzgerei – um uns selbst, quasi um den «Schweizer» in der Kuh. Nach 200 Seiten blättern, schauen, sinnieren kommt es einem unglaublich vor, dass die Kuh noch als Freundin neben uns steht. Neben uns, die wir sie als multifunktionales Wappentier und in der Werbung benutzt, als Hochleistungstier missbraucht und in der Kunst und in der Politik für jedwelche Zwecke entehrt haben. Wer wären wir, wenn wir dieses genügsame Tier nicht hätten ... gh

Marc Valance:
Die Schweizer Kuh

Kult und Vermarktung eines nationalen Symbols
 
212 Seiten, gebunden
244 farbige und 9 sw Bilder
hier + jetzt, Baden 2013
ISBN 978-3-03919-291-5
CHF 59.–
http://shop.hierundjetzt.ch

Gute alte Zeit

Gute alte Zeit? Wer mit dem österreichischen Kulturanthropologen Roland Girtler in die bäuerliche Welt des oberösterreichischen Bergdorfes Spital am Pyhrn eintaucht, könnte ins Zweifeln kommen. Girtler, der selbst im kleinen Bergdorf aufgewachsen ist, hat keine distanziert-akademische Studie verfasst, sondern zeichnet mithilfe einer Fülle von Interviews ein Bild der durch Armut, Religiosität und eine starre Gesellschaftsordnung geprägten Lebensverhältnisse der bäuerlichen Bevölkerung. Zur Sprache kommen dabei durchaus auch die hässlichen Seiten, etwa die bäuerliche Willkür gegenüber Knechten und Mägden, das Schicksal unehelicher Kinder oder die Faszination, die der Nationalsozialismus insbesondere auf die perspektivlosen Angehörigen der ländlichen Unterschicht ausübte. Deutlich wird in den Erzählungen aber auch, wie stark sich die Lebensbedingungen und die Familien- und Geschlechterbeziehungen, nicht zuletzt durch den Einfluss der technischen Entwicklung, im Verlaufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts veränderten. an

Roland Girtler:
Aschenlauge

Die alte Kultur der Bauern
 
366 Seiten, gebunden
Böhlau Verlag, Wien 2012
CHF 35.50
ISBN 978-3-205-78858-4
www.boehlau-verlag.com

Die älteste Alphütte

Bereits seit frühester Zeit fand ein reger Transit von Menschen und wohl auch Waren durch die begehbaren Pässe und Täler statt. Allerdings herrschte lange Zeit die Meinung, die alpwirtschaftliche Nutzung der Hochweiden habe sich erst im Laufe des Frühmittelalters entwickelt. Viele Hinweise, dass die Ursprünge der Alpwirtschaft älter sein müssen, wurden nun durch ein seit 2007 laufendes Ausgrabungsprojekt der ETH Zürich im Silvrettagebiet bestätigt: Die «älteste Alphütte» der Schweiz dürfte knapp dreitausend Jahre alt sein. Das Buch präsentiert nicht nur die Ergebnisse der wissenschaftlichen Auswertung der Ausgrabungen, sondern versucht in diversen Beiträgen auch eine Brücke durch die Jahrhunderte hindurch bis in die Moderne zu schlagen. Daher findet man nicht nur Texte zu den erhalten gebliebenen Baustrukturen, Knochenfunden, Pflanzenresten, Bodenbeschaffenheit und Klimamodellen, die Hinweise auf die landwirtschaftliche Nutzung und die Lebensbedingungen dieser frühen Hirten geben, sondern auch eine Fotodokumentation des Älplerlebens im Silvrettagebiet aus den 1930er Jahren, einen Bericht zur Entwicklung der Alpgebäude in Graubünden und eine Anleitung zur Käseherstellung mit pflanzlichem Lab. an

Thomas Reitmaier (Hrsg.):
Letzte Jäger, erste Hirten

Hochalpine Archäologie in der Silvretta
 
295 Seiten, broschiert
Südostschweiz Buchverlag, Chur 2012
CHF 32.00
ISBN 978-3-906064-05-5

Leichte Kost

2,6 kg schwer, 368 Seiten stark und 98 Franken teuer – so gewichtig kommt «Das kulinarische Erbe der Alpen – Die Ernährungsgeschichte des Alpenraums» von Dominik Flammer (Text) und Sylvan Müller (Fotos) daher. In zehn Kapiteln werden landwirtschaftliche Produkte und ihre Erzeuger inszeniert. Zu diesem Eindruck tragen wesentlich die ebenso ästhetischen wie leblosen Bilder bei. Wettergegerbte Frauen und Männer, zumeist aufrecht stehend und ernst blickend, alle mit einem Requisit ihrer Arbeit in den Händen, schauen den Betrachter an. Trügen sie nicht moderne Kleidung am Leib, die Bilder könnten auch einhundert Jahre älter sein. Das Buch macht sich gut als repräsentatives Coffeetablebook und spricht Menschen an, die nach «wahren Delikatessen» und «echten Raritäten» suchen (weil sie sonst schon alles haben). aw

Dominik Flammer, Sylvan Müller:
Das kulinarische Erbe der Alpen

Die Ernährungsgeschichte des Alpenraums
 
368 Seiten, gebunden
AT Verlag, Aarau und München 2012
ISBN 978-3-03800-735-7
CHF 98.00
www.at-verlag.ch

Die widerlegte Lüge der Klimakuh

Äusserst wissenschaftlich, doch absolut (für fast jedermann/frau) verständlich und nachvollziehbar deckt Anita Idel die fatalen Umweltfolgen der propagierten Landwirtschaft auf. Sie widerlegt die These: «Das Methanrülpsen der Wiederkäuer sei ein Klimabelastung. Deshalb lieber eine Hochleistungskuh, statt zwei luftverpestende, niedertourige Kuhlein.» Denn bei dieser Behauptung wird ausgeklammert, was die Kraftfutterproduktion an Schadstoffe freisetzt: Die Monokulturen, die mit synthetischem Dünger und Pestiziden behandelt werden, sind allein schon 100te mal klimaschädlicher als rülpsende Kühe. Dass dafür ständigen neuen Regenwald fällt, Böden nachhaltig zerstört werden und Menschen lebensunwürdig krank gemacht werden, gar nicht zu sprechen. Hoffnungsvolle Beispiele runden das Buch ab, die durch Weidewirtschaft mit Wiederkäuern und dem leider zu wenig propagierten Wissen unserer Zeit die symbiotischen, biologischen und nachhaltigen Potentiale der Boden-Pflanzen-Tier-Beziehungen aufzeigen. pw

Anita Idel:
Die Kuh ist kein Klimakiller!

Wie die Agrarindustrie die Erde verwüstet und was wir dagegen tun können

Metropolis-Verlag, Marburg 2011
ISBN 978-3-89518-820-6
CHF 27.90
www.metropolis-verlag.de

Nah an der Kuh

Eine Kuh verdient geachtet und geschätzt zu werden. Nicht weil sie schön ist oder lustig oder viel Milch gibt, sondern weil sie von uns als Nahrungslieferant benutzt wird. Damit man die Kuh schätzen kann, sollte man sie kennen, oder noch etwas mehr: verstehen. Martin Ott gibt dem Lebewesen Kuh viel Raum, umgarnt sie vom Kopf her durch den Bauch bis zurück zu den Hörnern, tanzt mit ihr den Rhythmus der Verdauung, verwebt sich im sozialen Gefüge der Herde. Sein Verständnis der Kuh beruht vor allem auf Beobachtung und weniger auf anthroposophischen oder schulmeisterlichen Lehren, das tut gut. Ott verschweigt nicht, dass wir die Kuh zur Partnerschaft zwingen. Dass wir zum Partner werden, dafür plädiert er. gh

Martin Ott:
Kühe verstehen

Eine neue Partnerschaft beginnt
 
faro Verlag, Lenzburg 2011
ISBN 978-3-03781-033-0
CHF 34.90
www.fona.ch

Kein Platz auf der Kuhhaut

Die Kuh muss für vieles hinhalten. Das wird klar bei der Lektüre dieses allumfassenden Buches über die Kuh in Geschichte, Kultur und Verwertung. Knapp 1,3 Milliarden Rindviecher grasen uns einen Viertel Nahrungsmittelanteil weg, alle zusammen sind mehr als doppelt so schwer wie die menschliche Masse und wir lieben sie einfach, die Kuh.

Es geht im Buch «um die Kuh als Handelsware, als Fleisch- und Milchlieferantin, als Sexualobjekt, als Werbefläche, als Heilige und Teufelin, als Sklavin, Seelntrösterin und Gefahr für die Umwelt». Intelligent geschrieben und gut zu lesen, auch wenn Kulturgeschichte eben nicht immer Krimispannung entspricht. Was der Autor an Wissen, Zahlen, Fakten, Mythischen und Literaturzitaten zusammenträgt, geht auf keine Kuhhaut. Wer die Kuh aber als lebendiges Wesen erfahren will, wer ihr Psyche kennenlernen will, der geht besser auf die Alp und auf die Weide - dort kann er das Buch dann immer noch lesen. (gh)

Florian Werner:
Die Kuh

Leben, Werk und Wirkung

Nagel&Kimche im Carl Hanser Verlag, München 2009
ISBN 978-3-312-00432-4
CHF 34.50
www.hanser-literaturverlage.de

Gletscherluft und Molke

Das Leben auf der Alp kann auch heute noch hart sein. Die Lektüre von Jägers Studie, in der er in klassisch volkskundlicher Manier Berichte über das Leben auf den Tiroler Alpen vom ausgehenden Mittelalter bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts sammelt, öffnet einem allerdings einen Blick auf Lebensbedingungen, die nicht nur hart und durch vielerlei Gefahren geprägt, sondern grösstenteils auch durch Armut bestimmt waren. Das Tiroler Alpwesen war dabei keineswegs eine reine Männerwelt. Sehr zur Besorgnis der kirchlichen Obrigkeit setzte sich das Alppersonal nämlich oft aus ledigen Männern und Frauen zusammen, wobei nicht selten die Frauen das Sennereihandwerk ausübten. Die Alpen waren aber auch für viele Angehörige der ländlichen Unterschicht wichtig, die sich und ihre Angehörigen mit «Grasrupfen» (Wildheuen), dem Sammeln von Edelweiss und dem Ausgraben von Enzianwurzeln für die Schnapsbrennerei oder dem Erbetteln von Butter und Molke über die Runde bringen mussten. Man muss das leicht verständlich geschriebene Buch nicht unbedingt von vorne nach hinten lesen, sondern kann bestens darin «schneuggen» und sich an den vielen alten Scharz-Weiss-Fotografien erfreuen. an

Georg Jäger:
Fernerluft und Kaaswasser

Hartes Leben auf den Tiroler Almen
 
Universitätsverlag Wagner,
Innsbruck 2008
ISBN 978-3-7030-0443-8
CHF 49.90

Soweit der Schall reicht

Am häufigsten wird der heilige Wendelin gefordert, dicht gefolgt vom Säu-Toni, auch der Bruder Klaus wird angerufen und vorne dran wird Maria gegrüsst: Der Betruf hilft dem Älpler nach getaner Arbeit seine Verantwortung diversen Heiligen in die Hände zu legen. Tonisep WyssMeier präsentiert nach zwanzig Jahren Recherche eine Sammlung von 134 Alpsegen aus dem deutschsprachigen und rätoromanischen Alpenraum. Ergänzt durch Geschichtliches, Sagenhaftes, Statistisches, Katholisches und sogar Reformiertes rund um den Betruf. gh

Tonisep Wyss-Meier:
Der Betruf

 
Appenzeller Volksfreund, Appenzell 2007
ISBN: 3-9522456-6-6
CHF 45.–
www.dav.ch

Von einem, der noch hin ging

Richard Weiss, langjähriger Schüler und Lehrer am Schierser Gymnasium und später erster Professor für Volkskunde an der Universität Zürich, hat als einer der ersten die Alpwirtschaft nicht aus rein ökonomischer, agrartechnischer Sicht betrachtet, sondern stellte die ÄlplerInnen und deren Kultur in den Mittelpunkt seiner Untersuchung. Entstanden ist dabei nicht etwa eine abgehobene wissenschaftliche Abhandlung, sondern eine reiche und spannende Sammlung dessen, was der Autor auf den unzähligen besuchten Alpen, aus mündlichen und schriftlichen Quellen vorfand. Von der Beschreibung der Bewirtschaftungsarten, Gerätschaften und Einrichtungen über die rechtliche Organisation und historische Entwicklung zu Arbeits- und Lebensweise des Alppersonals lernen wir ein Alpwesen kennen, wie es sich bis in unser Jahrhundert hat halten können, und auf dessen Überbleibsel wir auch heute immer wieder stossen. gh

Richard Weiss:
Das Alpwesen Graubündens

 
Neudruck der Originalausgabe von 1941 im Octopus Verlag, Chur 1992
ISBN 3-279-00525-6
CHF 58.–
www.octopus-verlag.ch

Mähe dich glücklich

Das Sense-Handbuch erklärt mehr, als wir wissen müssen. Und das tut es mit freundlichem Text und liebenswürdigen Zeichnungen. Dabei geht es Miller nicht nur ums gekonnte Mähen – die Sense ist bei ihm Angelpunkt und Schwinghebel zur Selbstverwirklichung. Neben handfesten Tipps zum Kauf, zum Gebrauch der Sense, zur Handhabung und Werkzeugpflege will Miller zusätzlich einen Sense-Spirit verbreiten. Gemäss dem Motto: Vor dem Mähen ist Muskelentspannung und Meditation, nach dem Mähen ist Tristenbau, Getreideernte, Haferbrei und Sauerteigbrot.

Aber für uns ist es nun Zeit: Wir kaufen die perfekt zu uns passende Sense, wir dengeln, was der Hammer hergibt, wetzen, dass die Metallspäne sprühen und schwingen mitsamt der Sense leichtfüssig hinaus ins gemähte Universum. gh

Ian Miller:
Das Sense-Handbuch

Richtig dengeln, wetzen, mähen und ernten
 
144 Seiten, gebunden
zahlreiche Abbildungen und Zeichnungen
Haupt Verlag, Bern 2017
ISBN 978-3-258-07997-4
CHF 32.–
www.haupt.ch

Sag mal, was haben wir noch in der Spense?

Das Kochbuch von Margrit Abderhalden, scharrt seine Rezepte nahe um den Alpherd und die Alpweide. Da muss der Hirte schon mal Löwenzahn, Guten Heinrich oder Eierschwämmli heimbringen und die Sennerin massig Rahm abschöpfen, auch wenn das magereren Käse gibt. Könnte zudem passieren, dass ein schotteversoffenes Schwein dran glauben muss, damit sich die traditionelle Küche in währschaften Muskeln niederschlägt. Also kein Buch für Cholesterinabstinenzler und sonstige Fettverweigerer.

Es reihen sich Grundrezepte wie Sennenrösti, Bärlauchspätzli, Zigerhörnli, Schweinsbraten neben spezifisch traditionellen wie Schlorzifladen, Zunne, Ribel, Holderbrägel, ergänzt mit Rezepturen für Kräutertee, Bratbutter, Tannenspitzhonig, Hustensirup und Rüeblikafi. Die hundert Varianten reichen knapp für einen Alpsommer, sind einfach beschrieben und manchmal mit kulturhistorischen Angaben versetzt. Damit müsste eigentlich gekocht sein, was es zu kochen gibt, und ich kann aufhören, alpkulinarische Bücher zu sammeln. Obwohl: Vielleicht offenbart uns das nächste Buch Rezepte vom Hirt, der nicht kochen können will, oder was man mit geblähten Käse noch machen und wie man die Hausmaus gratinieren kann. gh

Margrit Abderhalden:
Schweizer Alpküche

100 Rezepte – einfach, traditionell, währschaft
 
160 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
AT-Verlag, Aarau 2016
ISBN 978-3-03800-876-7
CHF 29.90
www.at-verlag.ch

Unverzichtbar

Mehr als 40 Autorinnen und Autoren bringen im Neuen Handbuch Alp ihr Wissen ein, vermitteln praktische Tipps und sinnieren über das Leben oberhalb der Waldgrenze. Oft mit einem Augenzwinkern, immer aus der eigenen Erfahrung heraus, griffig, kompetent, überraschend.

Das Standardwerk für Alpneulinge und Interessierte an der Alpwirtschaft. Neben Tipps und Tricks für Alpleute in allen Bereichen vom Anstellungsvertrag bis zum Klauenverband enthält das Buch in vielen Erzählungen und Betrachtungen ein Stück moderne Lebensart auf über 2000 Meter. Fast alle Schreibenden sind oder waren selber z’Alp. Ein Buch, das quietscht wie ein Mund voll trockener Käsekörner und dampft wie ein Kuhfladen in der Morgenfrische, ein Buch für 100 Tage Alp oder eine durchwachte Nacht. (Klappentext)

Neues Handbuch Alp
Handfestes für Alpleute, Erstaunliches für Zaungäste
 
zalpverlag 2012
528 Seiten, viele Schwarzweiss-Bilder und Illustrationen
ISBN 3-033-00443-1
CHF 56.–
www.zalpverlag.ch

Umfassendes Selbsthilfehandbuch für SchäflerInnen

Ein Homöopathie-Buch, von einer Praktikerin und Älplerin geschrieben, immer nah an den Schafen, das gab es so ausführlich noch nicht. Anfangs erläutert die Autorin das Wirkprinzip der Homöopathie, die Unterschiede der Potenzhöhen, erklärt Fachlatein und gibt Tipps zur Eingabe. Im Hauptteil beschäftigt sie sich detailliert mit den Krankheitsbildern. Neben der homöopathischen Behandlung finden auch Pflanzenheilkunde und Akupressur ihren Platz. Im Besonderen wird auf das Wesen der Schafe eingegangen, kurz auf die Besonderheiten der Alpsömmerung. 70 Arzneimittel mit ihren Symptomen und Einsatzgebiet veranschaulicht die Autorin in Bild und Text, dadurch wird das Handbuch zum Lesebuch. Ein Glossar, eine Literaturliste und ein Adressverzeichnis helfen weiter, falls man noch mehr als Alles wissen will. Fazit: Erstaunlich viel Fachwissen erstaunlich verständlich erklärt. gh

Gilberte Favre:
Homöopathie für Schafe

Ein praktisches Handbuch zur Behandlung der wichtigsten Krankheiten und Verletzungen
 
Narayana Verlag, Kandern 2011
ISBN 978-3-941706-53-8
CHF 52.– EUR 39.–

Bestellung in der Schweiz:
www.homoeosana.ch
 
Bestellung in Deutschland:
www.narayana-verlag.de

93 Krankheiten

Umfassendes und übersichtliches Nachschlagewerk bei Krankheiten von Kleinwiederkäuer. 93 Krankheiten werden in einer leicht verständlichen Sprache beschrieben, dabei gehen die AutorInnen der Krankheitsentstehung und ihren Ursachen nach, beschreiben Vorkommen und Bedeutung, erläutern die Diagnose in Text und anschaulichen Bildern, zeigen Behandlungen und Vorbeugungen auf. Über das Inhaltsverzeichnis und das Register ist eine mögliche Krankheit schnell gefunden. Die Behandlungsbeschriebe orientieren sich an schulmedizinischen Methoden, homöopathische Behandlungen werden nicht aufgezeigt. Insgesamt ein sehr nützliches Buch, auch für die Alp.

Krankheiten von Schafen, Ziegen und Hirschen
erkennen - behandeln - vorbeugen

Beratungs- und Gesundheitsdienst für Kleinwiederkäuer, 2010
ISBN 978-3-033-02332
CHF 92.–
www.caprovis.ch

All die schönen Blüemli fressen

Auf der Alp frisst das Vieh Pflanzen, die einen gerne, die andern weniger. Älpler und Älplerin schauen zu und wundern sich, was es auf der Alp alles für Gräser und Blumen gibt. Das Buch «Wiesen- und Alpenpflanzen» des Wiesenökologen Walter Dietl (Reckenholz) mit vielen Detailzeichnungen von Manuel Jorquera und über 1000 Fotografien. Darin werden gut 600 mitteleuropäische Pflanzen porträtiert. Dietl geht dabei nicht nur auf die Merkmale der einzelnen Arten ein, sondern auch auf ihren futterbaulichen Wert und die Bedeutung für bestimmte Schmetterlinge, Wildbienen und andere Mitglieder der Lebensgemeinschaft. Man erfährt, welche Pflanzen giftig sind und wie sich gefährliche Pflanzen zurückdrängen lassen, dass das Alpen-Kreuzkraut auch Blutzge oder Bütschel heisst, das Heidekraut eine Zeigerpflanze für zu späte oder zu schwache Beweidung ist, und dass der Blütentee der Spierstaude ähnlich wirkt wie Aspirin. Im Hauptteil des Buches führt ein Bestimmungsschlüssel anhand der Blätter durch die Pflanzenwelt, im zweiten Teil werden dann etwa 150 Arten genauer behandelt. gh

Walter Dietl und Manuel Jorquera:
Wiesen- und Alpenpflanzen

 
Eidgenössische Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau (FAL Reckenholz) 2003
ISBN 3-03888-034-5
CHF 59.-
www.edition-lmz.ch

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