Bücher

Blumenmemory

Die Alpleute sind schuld, dass die Alpweiden so artenreich sind, nicht unbedingt die heutigen, aber sicher die gestrigen. Für viele Insekten und andere Alpweidenbewohner wie -benutzer ist das ein

schöner Lebensraum, für ÄlplerInnen, die alle Gräser, Kräuter und Blumen kennen wollen, eine arge Herausforderung. Natürlich sind einem mit den Jahren all die Pflanzen, die da gefressen, verstampft, verkuhfladet werden bekannt, nur die Namen «wie hiess das Teil da mit den ausgefransten Blütenblätter schon wieder...» kennt man nicht. Wer eher chaotisch veranlagt ist und die straffe Ordnung eines Buches mit Seite an Seite als langweilig empfindet, kann jetzt mischeln, ausgeben, ziehen, verstreuen und die MitälplerInnen abfragen. Das macht Spass und man vergisst, dass man auch noch Kartenhäuser bauen könnte. Neben der Pflanzenbestimmung berichten die Karten zudem von Weidetypen, Bodenbeschaffenheiten und nachhaltiger Alpweide-Bewirtschaftung. Im handlichen Schuber hatte es sogar noch Platz für zehn Postkarten zur Alpenhüttenverzierung. gh

Karl Waser und Walter Dietl:
Lernkarten zum Buch Wiesen- und Alpenpflanzen

 
2. Auflage
Landwirtschaftliche Lehrmittelzentrale LmZ, Zollikofen 2020
ISBN 978-3-03888-344-9
CHF 29.-
www.edition-lmz.ch

Nachschlagen bis zum Anschlag

Das «Handbuch Schweizer Alpen» ist vier Bücher in einem. Pflanzen, Tiere, Gesteine und Wolken sind zur näheren Bestimmung bereit, können nachgeschlagen und aufgefunden werden. Zu den jeweiligen Kapiteln gibt es eine knappe, aber informative Einführung. Der Inhalt wirkt etwas gedrängt, die Angaben zu einer Pflanze oder einem Tier sind kurze Weide. Wer mehr wissen will, zum Beispiel über den Bartgeier oder die Trichterlilie, muss weiterführende Literatur beiziehen. Aber man will ja nicht immer alles wissen, oder. Ein Plus des Buches ist seine Herkunft. So ist bei den Detailangaben das Verbreitungsgebiet auf einer Schweizerkarte angegeben. Gut gefallen uns die Einführungstexte. Man kann über die Lebenswelt der Alpen viel lernen ohne mit wissenschaft- lichem Jargon vergrault zu werden. Wer Kombipacks liebt, bekommt mit dem Buch einen treuen Begleiter. gh

Heinz Staffelbach:
Handbuch Schweizer Alpen

Pflanzen, Tiere, Gesteine und Wetter
 
2. überarbeitete Auflage
Haupt Verlag, Bern 2011
ISBN 978-3-258-07638-6
CHF 59.–
www.haupt.ch

Wer zwitschert, wer piepst, wer flattert?

Den Hausrotschwanz, der auf dem Balken deiner Alphütte sein Nest gebaut hat, kennst du vielleicht. Aber dieser unscheinbare Vogel, der dich und deinen Hund auf offener Weide nervös und aufgeregt piepend umfliegt – wer mag das sein? Solche Fragen zu beantworten kann dir das Buch helfen. Vorgestellt werden 130 Vogelarten aus dem Alpenraum. Damit ist der ganze Alpenbogen gemeint, in deinem Alpgebiet wirst du nur einen Bruchteil der Vögel antreffen. Umgekehrt findest du aber alle Vögel deiner Alp in diesem Buch.

Auf mindestens zwei Seiten ist jede Vogelart mit kurzen, fachlich fundierten Informationen beschrieben. Die meist sehr guten bis grossartigen Fotos zeigen die Vögel in ihrem Lebensraum und machen den eigentlichen Wert des Buches aus. Autoren sind drei Italiener, übersetzt wurde das Buch von einer fachfremden Person, was zu wenigen grotesken Sprachverwirrungen geführt hat. Aber das tut dem Wert des Buches keinen Abbruch. Mich hat es gefreut, dass aus Italien, einem Land mit hässlicher Vogeljagd, ein Buch kommt, aus dem Freude und Begeisterung für die Vogelwelt spürbar ist. (Thomas Mesmer)

Bruno Caula, Pier Luigi Beraudo, Massimo Pettavino:
Vögel der Alpen

Der Bestimmungsführer für alle Arten

Haupt Verlag, Bern 2010
ISBN 978-3-258-07597-6
CHF 43.90
320 Seiten, ca. 600 Farbfotos
www.haupt.ch

238 von 200’000

Wenn man ständig mit diesen grossen Viechern wie Kuh, Schaf und Geiss zu tun hat, tut es gut, sich mal den kleinen zu widmen. Vom ansässigen Geflügel geniessen die oft farbenprächtigen Schmetterlinge und Falter bei den ÄlplerInnen freudige Akzeptanz (im Gegensatz zum Beispiel zur Rossbremse). Die wenigsten kann man jedoch mit Namen anreden, und überhaupt wüsste man gern mehr über diese Tiere. Ein treuer Freund bei der Hütte ist zum Beispiel der Wanderfalter Admiral, der seine Eier gerne auf Brennnesselblätter legt und sich dort oder am Gemäuer verpuppt. Also bitte nicht Brennnesseln mähen, nur weil sie das Vieh nicht frisst! Admirale machen pro Sommer meist mehrere Generationen, von denen die letzte in den Süden fliegt. Eine abenteuerliche Reise für das Halbgrammgewicht, das gegen Sturm und Kälte über die Pässe flattert. Das Buch porträtiert alle 238 Arten des Alpenbogens (insgesamt gibt es 200’000 Arten), liefert Informationen zum Lebensraum, zur Ernährung, Fortpflanzung und Verbreitung. Will man einen Schmetterling bestimmen, hilft nur das Blättern im Buch, ein Bestimmungsschlüssel fehlt. Dafür sind die Fotos top! gh

Gianluca Ferretti:
Schmetterlinge der Alpen

Der Bestimmungsführer für alle Arten
 
352 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
Haupt Verlag, Bern 2015
ISBN 978-3-258-07850-2
CHF 38.90, EUR 32.90
www.haupt.ch

Homöo statt Antibio

Wer Homöopathie anwendet oder anwenden will, findet im vorliegenden Büchlein einen kurzgefassten, aber informativen und verständlichen Helfer. Es ist handlich im Format und hat einen Umschlag, der Dreck und Blutspritzer übersteht. Es nimmt im Besonderen Bezug auf die Homöopathische Stallapotheke, die bei OMIDA erhältlich ist, funktio- niert aber auch mit anderen Stallapotheken und eigenen Zusammenstellungen. Man kann wahlweise nach der Krankheit oder nach dem Mittel nachschlagen und findet wichtiges Wissen rund um die Homöopathie. Ein Glossar beschreibt die häufigsten fachtechnischen Ausdrücke und eine übersichtliche Tabelle hilft einem bei den Beurteilungskriterien: Wann soll ich selber behandeln, wann den Tierarzt, die Tierärztin rufen. Rechteckig, praktisch, gut. gh

Flury, Gisler, Knüsel u.a.:
Handbuch zur homöopathischen Stallapotheke

 
OMIDA AG, 6403 Küssnacht
ISBN 978-3-033-01106-9
CHF 77.–
www.omida.ch

Wenn die Rösti anbrennt

Soll man lesen oder kochen? Eine Frage, die sich ohne dieses Buch kaum stellt, damit aber schon. Denn die erste Hälfte ist voller Alpgeschichten, Tagebuchaufzeichnungen, Sagen, Fotos und persönlicher Gedanken des Älplers Martin Bienerth: zum Hüten in früherer und heutiger Zeit, zur Kuh unbedingt mit Horn, zur Milch, zur Butter, zum Käse, zum Ziger und dem Alpschwein als Veredelung von Schotte und missratenen Alpprodukten. Angenehm authentisch und älplerisch, da schreibt kein Alpfunktionär, kein Wissenschafter oder Journalist, da schreibt einer aus seinem selbsterlebten Alptag.

Im zweiten Teil folgen die Rezepte. Eine hübsch bebilderte Zusammenstellung einfacher Choscht. Solides Kochfundament bäuerlicher Küche mit ein paar kreativen Perlen. Insgesamt knapp 30 Zmittags mit 17 Suppen und 22 Desserts, das sollte für einen Sommer frei von Gaumenlangeweile reichen. gh

Martin Bienerth:
Alpechuchi


Fona Verlag, Lenzburg 2010
ISBN 978-3-03780-420-9
CHF 34.90
www.fona.ch

Alpen- und Mannenwelt

Ein Alpkataster ist eigentlich eine langweilige Sache. Da reihen sich einschläfernde Angaben zu Eigentümer, Bewirtschafter, Bestossung, Weidefläche, Gebäuden, Meliorationen und Sanierungen aneinander. Im konkreten Fall von 130 Alpen im Appenzell Ausserrhoden. Dazu kommt, dass die Datenerhebung sehr aufwendig ist und schnell veraltet. Doch wenn man eintaucht in die 400 Seiten, sich durch das gute Kilo Papier durchblättert, dort schnäugt, da sich wundert, wirds plötzlich spannend: Aha, da wurde auf diversen Alpen geköhlert. Oha, es gibt nur zwei Mutterkuhalpen, Milchkühe machen über 70Prozent der Tiere aus. Wow, da wird bis zu 20 Wochen gealpt! Ha, eigentümliche Appenzeller – 85 Prozent der Alpen werden privat bewirtschaftet. Usw.

120 Seiten widmet der ehemalige Lehrer und jetzige Pensionär Hans Eugster der Appenzeller Alpwirtschaft im Allgemeinen: Geschichte, Brauchtum, Tradition, Alpleben. Man merkt, Eugster hat seine Recherchen nicht im Büro gemacht, er geht raus zu den Leuten, hört ihnen zu, ist ein gern gesehener Gast und Frögli. Das macht aus dem trockenen Kataster ein lebendiges Sammelsurium appenzellischer Alpkultur, die dann in der Gesamtsicht ziemlich männlich scheint. Frauen kommen in den Beschrieben und auf den Bildern kaum vor – und die Alpspeisen Fenz, Rohmzonne, Chässchnette und Alte Maa werden für Eugster von Mannen gekocht. gh

Hans Eugster-Kündig:
Die Alpen in Appenzell Ausserrhoden

 
392 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
Appenzeller Verlag, Schwellbrunn 2015
ISBN 978-3-85882-724-1
CHF 48.–
www.appenzellerverlag.ch

Z’Alp auf dem Sofa

Wer sich umfassend über die Alpwirtschaft im Kanton Glarus informieren will, besuche entweder alle 88 Alpen oder studiere das Glarner Alpbuch auf dem heimischen Sofa. Denn als Bettlektüre ist das unhandliche, schwere Buch leider ungeeignet. Umso mehr taugt es zum immer wieder darin Blättern und Lesen. Dem zwanzigköpfigen Team (darunter einige Älpler) ist es gelungen, ein informatives Nachschlagewerk und prächtiges Bilderbuch zusammenzustellen. Jede Alp wird auf ein bis zwei Doppelseiten mit einem kurzen Text und vielen Fotos vorgestellt, ergänzt mit Fakten zu Lage, Besitzer, Nutzfläche, Tierbesatz, Produkten und Personal. Unterbrochen werden diese Portraits von Hintergrundberichten zur Glarner Alpwirtschaft und der Darstellung typischer Älpler. Ein Glossar mit relevanten Begriffen aus Alp- und Landwirtschaft rundet das Werk ab. Das Buch ermöglicht es, sich ein Bild von den Alpen in Glarus zu machen, ohne dort gewesen zu sein, und macht zugleich Lust darauf, sich selbst auf den Weg dorthin zu machen, um das Bild mit der Realität zu verbinden und hinter der blumigen Sprache und den Schönwetteraufnahmen den rauen Alpalltag zu finden. ab

Glarner Alpverein (Hrsg.):
Glarner Alpbuch

Zwischen Nebelwand und Föhnmauer
 
368 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
ISBN 978-3-033-04677-1
CHF 68.–
www.glarneralp.ch

Durchs Urnerland den Alpen nach

Der heutige Tourist zieht nicht einfach los, er braucht einen Führer. Für die gut hundert Alpen im Urnerland hilft ihm ein Papierener in handlicher Form, befüllt mit Infos über Zustieg, Übernachtungsmöglichkeiten, Produkte und mit den Kontaktangaben zu den ÄlplerInnen. Wenn er auf dem Weg verschnaufen muss, kann er ein paar Sagen lesen, etwas über Flurnamen erfahren, sich über Biodiversität, Weidepflege, Alpkäseherstellung usw. informieren. Wieviele Kühe auf welchen Alpen auf wievielen Hektaren wieviel Alpkäse oder Subaru-Milch produzieren, darüber schweigt der Führer. Macht nichts, dafür ist er handlich sowie gratis und für alle Fragen ohne Ende gibts ja noch die Alpleute. gh

Äs herrlichs Lääbä ...
Urner Alpen- und Alpkäseführer
 
Korporation Uri 2011
Kann bei Issu eingesehen werden:
www.issuu.com

Mit einem 1.7 kg schweren Wälzer durch das Diemtigtal

Einem Alpkataster haftet der säuerliche Geruch verstaubter Papiere an. Dass man mit einem modernen Bilder- und Lesebuch Alpen auflisten und anpreisen kann, zeigen Ernst Roth und Beat Straubhaar mit ihrem Buch über die Diemtigtaler Alpen. Die zwei durchstreifen seit Jahren die Berner Oberländer Alpen (siehe die Reihe z’Bärg), spienzeln dabei mit gespitztem Bleistift und neugieriger Kamera in Alphütten, Käsekeller, Wohnstuben und Ställe. Wieviele Alpenblumen ihren forschen Schuhen auf all den Weiden schon zum Opfer gefallen sind - wer weiss.

Neben dem Portraitieren der über hundert Alpen im Diemtigtal geht es im Buch auch und vor allem um ÄlplerInnen, Tiere und Gerätschaften. In den 1500 Bildern wird kaum ein Älplergrind, ein Kuhschwanz, eine Sauschnorre oder eine Holzgebse ausgelassen. Um die Alpportraits ranken sich Texte zur Geschichte der Diemtigtaler Alpen, zur Alphüttenarchitektur, zur Ökologie, zur Wirtschaft, zum Tourismus. Wer sich für diesen Teil der Alpenlandschaft interessiert oder sie kennenlernen will ein hübsches Geschenk, das man sich gerne auch selber macht. gh

Ernst Roth und Beat Straubhaar:
Alpwirtschaft Diemtigtal

Tiere–Menschen–Landschaften

Weber AG Verlag, Gwatt/Thun 2009
ISBN 978-3-909532-54-4
CHF 69.–
www.weberverlag.ch

Ja, genau dort

Das Toggenburg ist dort, wo gejohlt und geschöttet wird, wo sich die Alpsennen bei der Alpfahrt so farbenprächtig herausputzen, dass die Frühlingsblumen neidisch werden. Das kennt man. Wer mehr wissen will, zieht mit den Rotgewandeten vom Buchcover weiter in den Alpsommer hinein, gelangt zu den 143 Alpen, lernt die Toggenburger Alpkultur von der Nidelzonne bis zum Bloderchääs, von der Voorbrogg bis zur Schaukäsereitribühne, vom Einrechnen bis zum Blotter ufschorre, vom ungarischen Enzian bis zum ziselierten Sennenhund kennen. Reich und umfassend bebildert, anschaulich geschrieben, mit Kartenmaterial und Alpbeschrieben abrundend. gh

Alpen im Toggenburg
Herausgeber: St. Galler Bauernverband
 
Toggenburger Verlag, Wattwil 2011
ISBN 978-3-033-03037-4
CHF 48.–
www.appenzellerverlag.ch

Alpen im Sarganserland

Die Bilder von Peter Donatsch zeigen die Alpwirtschaft vom wasserpumpenden Widder über den stolzen Sennen bis unter das Flotzmaul. Da ist es oft neblig, schwitzig, touristenwimmelnd, auch mal einsam oder einfach voller Kuhscheisse. Man steigt mit ihm in den Käsekeller, in die Regenhose, auf den Töff und auf den Berg, rennt Rindern hintennach oder lässt sich von Landschaften berühren, die weit über den Buchrand hinaus bis ins eigene Erleben reichen.

Auch in den Texten gibt sich das Buch umfassend: Übers Wetter, übers Wasser, übers Käsen, übers Kühern, von Alpsagen und Alpsegen, von Älplern und Älplerinnen. Dazu gibts ein Glossar und eine Übersicht der 93 Alpen mit Kartenmaterial und Detailinfos. gh

Alpen im Sarganserland
Herausgeber: St. Gallischer Bauernverband 2008
 
ISBN 978-3-033-01668-2
CHF 48.-

Sixpack z’Bärg bis über die Grenzen des Kantons Bern

«Chaslepbalg, Senntum 3512/S 2230» – eine der 117 Sennten im Buch «Käsealpen des Amtes Obersimmental» aus der Reihe: «Wege zum Alpkäse» mit erklärungswürdigem Namen. Die Telefonnachfrage bei Ernst Roth fördert zu Tage, dass der Namen «Chaslepbalg» nicht restlos gesichert gedeutet werden kann. Der erste Teil des Wortes «Chaslep» oder Chaslup meint auf berndeutsch «Chäslab». Der «balg» könnte aus zungenbrecherischen und bartmurmelnden Motiven von «alp» zu «balg» geworden sein – Ergebnis einer schnell dahingesagten Sprachschnoddrigkeit. Zwei stimmlose «p» kurz aufeinanderfolgend sprechen sich nicht besonders gut. Wer jetzt noch wissen will, welcher Obersimmentaler-Alpkäse wo und wie und bei wem zu kaufen ist und wer ihn auf welcher Alp gemacht hat, der findet alle Angaben im superschönen und reich bebilderten «z’Bärg-Buch». gh

Ernst Roth und Beat Straubhaar:
z’Bärg

Wege zum Alpkäse Band 1-6

Prättigauer Alplandschaften

AutorInnen wie auch der Fotograf bemühen sich um eine Gegenwartsaufnahme der Alpwirtschaft. Dringt man weiter in den Text vor, liest man von Streitereien im Team, einsamen Hirten, Wetterumstürzen, neuen wilden Tieren, einer Prüfung der Alpwirtschaft auf Wirtschaftlichkeit und sich talwärts bewegenden Fleischpreisen. Was das Buch zu einer Ausnahme im alpwirtschaftlichen Büchermarkt macht, ist die gelungene Zusammenführung von Älplern und Sympathisanten. Während die häufigste Alpliteratur eine Umgarnung potentieller Touristen darstellt, oder seltener ein Reigen individueller Älplererlebnisse erzählt, kommen hier AutorInnen zu Wort, deren ehrliche Alpverbundenheit spürbar wird. Martin Bienerths Geschichtsschreibung des weissen Goldes oder Barbara Sulzers Annäherung an den Älpler sind Liebeserklärungen an ein Leben und Arbeiten in einer letztlich vernünftig gebliebenen Welt. Das bewegt Alpleute, Bauern und diesen zugewandte gleichermassen. gh

Prättigauer Alpen
Zwischen Stürfis und Obersilvretta, Frömdvereina und Zanutsch
 
Bauernverein Prättigau 2004
ISBN 3-033-00175-0
CHF 49.–

Einskommazweifünf Kilo Alpen

Dieses dicke Werk enthält die Auflistung und Beschreibung aller Alpen im Kanton Appenzell Innerrhoden mit Angaben über Besitzer, Bewirtschafter, Gebäulichkeiten usw. Beschrieben werden auch die Bedeutung, Rahmenbedingungen, Nutzungsformen der Alpen und vieles mehr.

416 Seiten in Farbe. Da ist jeder Gaden des kleinen Halbkantons drin. Im Gegensatz zum Käsealpenkataster «z'Bärg» geht es nicht um die Vermarktung von Alpprodukten und Alplandschaften, sondern um eine akribisch aufgeführte Bestandesaufnahme der Alpen in Appenzell Innerrhoden. gh

Josef Inauen:
Innerrhoder Alpkataster

Die Alpwirtschaft in Appenzell I.Rh.
 
Volksfreund 2004
ISBN 3-9522456-2-3
CHF 56.–
www.dav.ch

Alpi ticinese

Una guida completa di quasi 500 pagine degli alpeggi ticinesi (compreso qualcuno sul confine in territorio italiano) che resta insuperata nel suo genere. Ogni alpeggio è presentato nei suoi vari aspetti con interessanti dettagli sulla tipologia cesearia, i fabbricati, l'accessibilità, le mete escursionistiche i personaggi che lo gestiscono. Numerosissime fotografie di uomini, donne, animali, formaggi, fabbricati, paesaggi. Un opera che rappresenta una fotografia molto dettagliata della realtà dell'alpeggio ticinese che vale più di tante statistiche ufficiali. Peccato che la messe di dati comprende tanti elementi «volatili» (i caricatori e i casari cambiano, così come il carico animale) e che a distanza di 10 anni molte cose sono cambiate.

Alpi e formaggi delle nostre montagne
 
Salvioni arti grafiche edizioni, Bellinzona 1997
ISBN 88-7967-021
CHF 65.–

Luzerner Einsichten

Von Luzern kennen wir die Kappellbrücke, das KKL und den Pilatus, dass es auch noch 266 Alpen gibt, ist eher unbekannt. Der Kultur- und Wanderführer «Schöne Aussichten» lockt im handlichen Taschenbuchformat auf diese Alpen. Japaner werden nicht nur die Speicherkarte ihrer Canon füllen, sondern auch braune Flecken von Kuhfladen auf ihren Nike-Schuhen mit nach Hause nehmen. Der Führer ist weit mehr, als ein Alp- und Alpkäsevermarkter. Er zeigt schwitzende Höhengastarbeiter beim Kamera-Lachen, erzählt Geschichten und Sagen, setzt sich mit der Alpwirtschaft in Nostalgie und Entwicklung auseinander, plaudert über Wetter, Alpleben und Unkräuter. 30 Alpen sind kartografisch erfasst und laden zum Erwandern ein. Wer im Kanton Luzern z’Alp will, kann sich das jetzt vom Sofa aus nochmals überlegen, wer nicht will, wird vielleicht eines besseren belehrt und luzernisch einsichtig. gh

Schöne Aussichten
Kultur- u. Wanderführer Luzerner Alpen

Druckerei Schüpfheim AG, Schüpfheim 2005
ISBN 3-907821-31-9
vergriffen

Rohmzonne

Ein Alpkataster, der weder trocken noch langweilig ist, sondern reines Lesevergnügen. Eugster-Kündig nimmt den kommenden Alpkatastern eine populäre, lesbare Form vorweg. Hier geht's nicht nur um Zahlen, sondern auch um Menschen, die meisten männlicher Natur. Einen davon sieht man sogar kochen, einen «Fenz», die «Rohmzonne» übernimmt dann wieder eine Frau. Aufgbaut ist der Katatster wie gewohnt: Pro Alp ein Bild, dazu die Angaben zum Eigentümer und Bewirtschafter, Bestossungszahlen, Nutzung und Fläche, ergänzt mit einem kurzen Alpbeschrieb und geschichtlichen Notizen. gh

Hans Eugster-Kündig:
Die Alpen im Kt. Appenzell Ausserrhoden

 
Schläpfer & Co. AG, Hersisau 1993
ISBN 3-85882-083-0

Über 70 Jahre lang

Wie lebt es sich mit störrischem Geist, wenn rundherum die Welt sich ändert? Siebzehnjährig steigt Mare Wiesbeck, Bauerntochter aus dem bayrischen Samerberg, 1941 auf die Oberkaseralm am Geigelstein. Dort bleibt sie, sommers wie winters, bis der Tod sie holt, über 70 Jahre lang. Es mag ihr zeitweise langweilig gewesen sein, das Buch ist es nicht.

Es ist Krieg, Deserteure und Juden flüchten über den Geigelstein, Ende Krieg sind es die Nazis. Harte Jahre des Hungers und der menschlichen Tragödien. In den Wirtschaftsjahren wird die Kaseralm durch Strassen erschlossen, reiche Bayern bauen sich Ferienhäuser, es wird über eine Skiarena diskutiert. Fröhliche Sommer für die Sennerin, die beliebt ist bei den Gästen. Aber der ihr nahestehende Berggeist wird arg gebeutelt. Biker, Paraglider, Wanderer sprenkeln die Alpweiden, landgierige Bauern wollen ihr an Alm und Boden. Mare schaut dem Leben der anderen zu, ohne Groll und Neid, aber hineinpassen tut sie nirgends. Im Alter kommen Sozialdienste, die sagen wollen, wie Mare zu leben hat. Vom Geigelstein vertreiben lässt sie sich jedoch nicht. An Menschen, die so konsequent und starrköpfig ihren Weg gehen, mangelt es. gh

Christiane Tramitz:
Harte Tage, gute Jahre

Die Sennerin vom Geigelstein

Taschenbuch, 272 Seiten
Knaur Verlag 2019
ISBN: 978-3-426-78933-9
CHF 14.50
www.droemer-knaur.de

In den Bergen

Begibt man sich mit Paolo Cognetti im ersten Teil des Romans auf die Reise in die Kindheit, lässt sich durchaus nachvollziehen, dass er dafür mit dem renommierten Buchpreis Premio Strega ausgezeichnet wurde. Seine Erinnerungen an die Sommermonate in einem abgelegenen, vom Zerfall geprägten Bergdorf im Aostatal sind eine sehr berührende Annäherung an die wilde und karge alpine Landschaft am Fusse des Monte-Rosa-Massives, aber auch an die eigene Familiengeschichte und vor allem an die Freundschaft zwischen Pietro,dem schüchternen Knaben aus Mailand, und Bruno, der bereits als Junge im Dorf die Kühe hüten und später auf der Alp seines Onkels mithelfen muss.

Überzeugt der erste Teil durchwegs, so hinterlässt der Roman in der Folge einen eher schalen Geschmack. Die Freundschaft zwischen den Männern bleibt eigenartig spröde, wohl nicht zuletzt, weil die Figur von Bruno, der zutiefst mit seiner Heimat und ihren Bergen verbunden ist, zu offensichtlich ein arg konstruiertes Alter Ego von Pietro darstellt. Wenn der Autor Bruno, ohne dass dieser über einen Talbetrieb verfügen würde, die verlassene Alp seines Onkels wieder herrichten und 28 Kühe kaufen lässt, um diese von Hand zu melken – «Etwas anderes kam für ihn bei diesen empfindlichen Tieren nicht infrage [...]» (S. 184) –, dann ist das nur eine von allzu vielen Stellen, bei denen offensichtlich die Sehnsucht einer urbanen Gesellschaft nach einem archaischen und naturverbundenen Leben bedient wird; wohl auch ein wesentlicher Grund für den Erfolg des Romans. Da wirkt es geradezu wohltuend authentisch, wenn das Alp-Projekt nach wenigen Jahren an seiner Frau scheitert, da sie von der Plackerei und den Schulden genug hat und mit dem gemeinsamen Kind zu ihren Eltern zieht, auch wenn das in der Konsequenz dazu führt, dass sich Bruno sprichwörtlich für immer in seine Berge zurückzieht. an

Paolo Cognetti:
Acht Berge

gebunden, 256 Seiten
DVA, München 2017
ISBN 978-3-421-04778-6
CHF 29.90
www.randomhouse.de

Älplerinnen erzählen

Fünfzehn Frauen auf zwölf Alpen erzählen aus ihrem Leben und Alltag auf der Alp. Obwohl sich die Arbeit oft gleicht, hat jede Älplerin ihre eigene Geschichte wie sie zur Alp gekommen ist und warum sie noch oben ist. Eindrücklich, wie die 74-jährige Schafhirtin Josi Jauch Bergbauernhof, Alp plus Kinder gemanagt hat und daneben ihren invaliden Mann 25 Jahre gepflegt oder wie Anne Krüger ihrem Gespür folgend samt Familie zwischen Alp und Bauernhof in Patagonien wechselt. Tüpfchenweise werden Ingredienzien der Alpwirtschaft wie Lohn, Wolf, Touristen usw. angesprochen, aber leider nicht ausgeführt. Die Texte werden begleitet von respektvollen Fotos, die durchs Buch geblättert die Bandbreite der Berufsschaft Älplerinnen zeigt. Überflüssig erscheinen Wandervorschläge und Rezepte, da wäre Platz gewesen für einen vertiefenden Blick in den Trendraum Alp – wie er von der Werbung umgarnt, von der Touristik, Energiewirtschaft und der Politik umgestaltet wird. gh

Daniela Schwegler, Vanessa Püntener:
Traum Alp

Älplerinnen im Porträt
 
256 Seiten, gebunden
viele Farbbilder
Rotpunktverlag, Zürich 2013
ISBN 978-385869-557-4
CHF 39.50
www.rotpunktverlag.ch

Blick zurück

Eine kleine Zeitreise machen wir mit den Erinnerungen von Hans Schnyder, der im Kindergartenalter anfangs der Sechziger Jahre zwei Sommer mit seinem Vater und Vetter auf der Alp Aueren ob Netstal verbrachte. Manchmal etwas weit ausschweifend und dann wieder berührend detailreich nimmt uns Schnyder mit an den kargen Esstisch, unter die feuchten Hudlen der wenigen Kleider, zwischen die Arbeitsklauen seines Vaters, mit zum langwierigen Hüten auf die Weide und auch zu Momenten von Zufriedenheit. Das Buch ist keine Dokumentation, auch wenn Glarner Mundartausdrücke und Flurnamen – soweit möglich – erklärt werden. Es ist ein spannendes Zeitzeugnis (durch die Brille der Erinnerung gesehen) und man staunt, wie einfach die Älpler vor nur einem halben Leben lang gelebt haben. gh

Hans Schnyder:
Abendweide

Das einfache Leben auf einer Glarner Alp
 
231 Seiten, gebunden
Verlag Baeschlin, Glarus 2013
ISBN 978-3-85546-256-8
CHF 34.00
www.baeschlin.ch

Schafhirt auf der Greina

Eine Schäferidylle ist Leo Tuors Buch nur für kurze Momente. Sein Giacumbert Nau erfreut sich zwar an den Prozessionen der Schafe, verhöhnt aber jene der Menschen. Tours Buch ist sinnliche Brachialpoesie in rätoromanisch und deutsch über das Leben eines Schafhirten auf der Greina. Giacumbert lässt seine Galle erzählen von den falschen Herren, von den falschen Pfaffen, von den falschen Bauern, von der heimtückisch wahrhaftigen Greina, von den Schafen, die Perlenschnüren gleich entlang den Hängen ziehn, von zu lauten Munggen. Durch die Hütte ziehen Nebel und stieben Schneeflocken, da bringt Albertina Feuer und Gerüche aus einer anderen Welt, und die Schafe ziehen weiter ihre Schnüre... Ein Klassiker der rätoromanischen Bergliteratur, erstmals erschienen 1998 im Octopus Verlag. gh

Leo Tuor:
Giacumbert Nau

Bemerkungen zu seinem Leben
rätoromanisch und deutsch
 
Limmat Verlag, Zürich 2012
gebunden
ISBN 978-3-85791-679-3
CHF 38.50
www.limmatverlag.ch

100% authentisch

Pia’s Zauber spricht aus jeder ihrer Zeilen. Eine Wanderin zwischen den Welten. Nicht nur den realen, sondern auch denen jenseits des Schleiers, den geistigen. Sie gewährt uns Einblicke in die abenteuerliche Welt einer «echten» Älplerin, in ihre Gefühle, Gedanken und sogar ein wenig in ihre Seele.
IHR LEBEN, kompromisslos und echt, geerdet und mit sich im reinen.
Wer könnte das schon von sich behaupten? (Johanna Glas)

Pia Solèr:
Die Weite fühlen

 
weissbooks Verlag, Frankfurt am Main, 2011
ISBN 3-86337-009-0
CHF 21.90 EUR 15.–
www.weissbooks.com

Menschen am Berg

Acht Geschichten und Reportagen über Menschen, die am Berg leben oder eine Beziehung zu den Bergen haben, darunter ein Portrait der Älplerfamilie Wehrli aus dem Jura: «Die Tiere und der Berg brauchen uns. Es ist ja sonst keiner da.» Exakte Beobachtungen von Menschen am Berg, die von ihm gefangen, begeistert oder einfach mit ihm unumstösslich verbunden sind. Ein hübsches Stück Buch, ein manchmal wehtuend melancholisches Stück Literatur, eine schlussendlich persönliche Annäherung der Autorin an den Berg, den sie in der Kindheit verabscheut hat.

Eigentlich müsste das schief gehen, wenn eine Städterin in die Berge zieht um Menschenleben schriftlich zu fixieren. Da müsste es kitschig, heimelig und donnergrollend werden. Aber Melanie Mühl recherchiert die Fakten und schmückt ihre Geschichten mit teilnehmenden Respekt vor den Menschen, die ihr schlussendlich doch fremd bleiben. Unsere Buchempfehlung. (gh)

Melanie Mühl:
Menschen am Berg


Nagel & Kimche, Zürich 2010
ISBN 978-3-312-00453-9
CHF 26.90

Garantiert nicht romantisiert

Wer einen fliessenden Alproman ohne Ecken und Kanten erwartet, wird mit «Sez Ner» von Arno Camenisch nicht glücklich werden. Wer sich allerdings einlässt auf die eindringliche Wirklichkeit dieser Alpzeit in der Surselva, findet Gedankenfetzen die vorüberschweben, Erinnerungssplitter die weh tun oder Tagesrückblicke die Schmunzeln auslösen. Überrollten mich Düsternis und Lieblosigkeit beim Lesen, liess ich meine Augen schweifen und genoss den zu drei Vierteln unverständlichen romanischen Text auf der linken Seite.

Ein guter Einstieg in den «Sez Ner» ist der Besuch einer Autorenlesung. Camenischs sonore Stimme, in Rumantsch und verschweizertem Deutsch, tröstet über die garantiert nicht romantisierte Atmosphäre auf der Alp hinweg und löst Neugierde aus. Wie geht’s wohl weiter mit der Nachbarhirtin, die ihren Hund zum kastrieren gebracht hatte und dem Zusennen, der dem sennenden Grobian entflieht und mit ihr die Alpliebe geniesst? Gibt’s noch mehr Lebensweisheiten vom alten Linus, wird die Antenne bis zuletzt halten, und wieso flicken sie die Karette nicht? Wehrt sich der geplagte Schweinehirte endlich und behält der Kuhhirte den Weitblick trotz endloser Arbeit? Ich fische links und rechts lesend nach Kuhnamen, versuche mich an rätoromanischer Aussprache und suche Stellen zum einhaken und wohlig fühlen, weil es doch auch so schön sein kann. eh

Arno Camenisch:
Sez Ner

 
Urs Engeler Editor, 2009
CHF 36.–
ISBN 978-3-938767-63-4
www.arnocamenisch.ch
www.engeler.de

Am Schluss sind alle tot

Zwanzig Jahre nach einem schrecklichen Unglück beschliessen die Einwohner eines Dorfs im Wallis, ihr Vieh wieder auf die Alp Sasseneire hinaufzuschicken. Dort bahnt sich bald neues Unheil an: Eine Seuche bricht aus, die Sennen sind zu strikter Quarantäne gezwungen, einer nach dem andern erliegt der Angst oder verfällt dem Wahnsinn. Mit unheimlicher Magie erfasst dieser 1926 erstmals publizierte grosse Bergroman seine Leser.

«Besonders ist auch das poetisch dichte Erzählen: gleich einem rasch geschnittenen Film ziehen die Bilder und Momentaufnahmen vom Untergang eines Bergdorfes vorbei, durch eine geschickte Zeitstruktur, in der die Vergangenheitsform immer wieder vom Präsens unterwandert wird, suggeriert der Text Kamerawechsel, Beschreibungen lesen sich wie Drehbuchanweisungen. Ein Erzählen, das streckenweise schwindlig macht.» (Katrin Schumacher, Deutschlandradio Kultur, 21.10.09)

Charles Ferdinand Ramuz:
Die grosse Angst in den Bergen

 
Kollektion Nagel & Kimche im Carl Hanser Verlag, München 2009
CHF 31.90
ISBN 978-3-312-00445-4
www.hanser-literaturverlage.de

Wenn die Toten lenken

Nach dem Lesen schnaufe ich auf. Toll, habe ich jetzt gerade ein Buch gelesen oder einen Film geschaut? Die Kino-im-Kopf-Bilder hallen noch durch meine Hirngänge, dort wo der Lese-Projektor hockt. Augstburger bestsellert mit einem episch angelegten und hippen «Heimatroman» über die Insassen eines Walliser Bergdorfes. Alles ist in der Geschichte verpackt: Liebe und Tod, Eifersucht und Rache, Familie und Fehde, alte Mythen und späte Rache, runterpolternde Steinmassen, Rettung in letzter Minute, Versöhnung – dies hübsch gewürzt mit Splittern unverständlichen Wallisertiitsch. Dazu lernen wir Historisches über die Suonen, den Merkhammer, die Arbeitsbedingungen im Stauwerkstollen, den ewigwährenden Fortschrittsglauben und die Ausweglosigkeit als Mensch vorwärts zu kommen. Fein, dass uns hier die Natur und die Toten etwas helfen. Wie auch Kauers «Spätholz» ein Buch, dass man lesen darf, soll und muss. gh

Urs Augstburger:
Graatzug

 
bilgerverlag Zürich 2007
schön gebunden
ISBN 978-3-908010-84-5
CHF 39.–
www.bilgerverlag.ch

Ein Heimatroman!

Liegts ächt an der Gattung, dass der neueste Roman des Präsidenten des Schweizerischen Schriftstellerverbandes, Tim Krohn, bisher eher wenig Resonanz fand? An der Geschichte jedenfalls kanns nicht liegen, die hat das Zeug für einen veritablen Bestseller, ist eingängig und hintergründig, spannend und witzig – schlicht hinreissend. In Quatemberkinder lässt uns der im Glarnerland aufgewachsene Autor in eine Welt voller Zauber und Mythen eintauchen, greift auf Sagen und Geschichten zurück und schreibt sie neu – in einer mit den gspässigsten Mundartausdrücken durchsetzten Sprache, dass es eine meineidige Freud ist. Der Autor hat Dutzende bekannte und weniger bekannte Alpensagen ausgegraben und ihnen für diesen Roman das Fleisch an die Knochen zurückgezaubert. Der Rezensent ist ansonsten nicht der Meinung, dass unser heutiges Alppersonal auf den qualitätsgesicherten Alpen zwischen dem Melken, vor dem Auspladen oder auf der Weid unbedingt vom Alpen und nichts anderem sollte lesen, möchte aber bezüglich der Quatemberkinder eine unbedingte Empfehlung aussprechen. (Christian Brassel)

Tim Krohn:
Quatemberkinder

und wie das Vreneli die Gletscher brünnen macht
 
Eichborn Verlag, Frankfurt 2002
Paperback
ISBN 978-3-8218-0703-4
CHF 29.50
www.eichborn.de

Fast alles andere bleibt Wiederholung

«Wir Hirten sind nicht besser als die anderen, aber wir flüchten in die richtige Richtung ...» DAS Buch für und über das z’Alp-gehen. Fast alles andere bleibt Wiederholung.

Rochat beschreibt seinen ersten Sommer 1971 auf einer Rinderalp im Jura und behandelt alle Themen rund ums Hirtendasein. Angefangen bei den täglichen Verrichtungen, seziert er die Bauern, sinniert über die Vorzüge einer Alpgenossenschaft gegenüber privaten Alpen, erzählt vom Besuch, der keine Lebensmittel mitbringt und die Speisekammer plündert, lästert über die KB, über die Touristen und, und, und. Alles kurz und bündig, ein Satz und Punkt. Geschrieben in einer Sprache, die begeistert und es schwer macht das Buch zur Seite zu legen. Man erkennt sich wieder von der ersten Seite an. Hervorragend geeignet, um es einem Alpneuling am Ende seines ersten Sommers zu überreichen und nach dem Lesen zu fragen: «Und ?!» (Michael Jocher)

Jean-Pierre Rochat:
Hirt ohne Sterne

 
Zytglogge Verlag, Oberhofen 1986
ISBN 978-3-7296-0233-5
CHF 28.–
vergriffen

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