Schlussbericht Brandwirtschaft in Zermatt

Der Schlussbericht des Forschungsprojektes «Kontrolliertes Abbrennen von verbuschten Alpweiden – Einfluss von Standortfaktoren und Auswirkungen auf Vegetation, Verbuschung, Brutvögel und Luftqualität» liegt vor.

Alpine Brandwirtschaft Zermatt

Das Forschungsprojekt in Zermatt startete 2016 mit der Gesuchstellung und kam 2026 nach zehn Jahren zum Abschluss. Folgend leicht gekürzt die Medieninformation zum Abschlussbericht:

Neun Brennflächen mit einer Gesamtgrösse von knapp fünf Hektaren und unterschiedlichen Standortfaktoren – vor allem in Bezug auf Hangexposition, Hangneigung, Verbuschungsgrad und Verbuschungsart – wurden auf Alpweiden im Gemeindegebiet von Zermatt ausgewählt, für den kontrollierten Feuereinsatz vorbereitet und in den Jahren 2019 und 2020 kontrolliert abgebrannt. Ziel war einerseits zu prüfen, auf welchen Standorten und mit welchem Brennerfolg das kontrollierte Abbrennen von verwurzelter Verbuschung auf Alpweiden überhaupt machbar ist und andererseits die Auswirkungen auf Vegetation / Verbuschung, Brutvögel und Luftqualität (Feinstaub) zu untersuchen.
 

Entscheidende äussere Einflussfaktoren

Die fachgerechte Durchführung des kontrollierten Abbrennens unter Beachtung von Standort, Zeitpunkt, Wetter, Brennmethode und Sicherheitsvorkehrungen, war essentiell um mögliche negative Auswirkungen so gering wie möglich zu halten und die positiven Auswirkungen bestmöglich zu bündeln. Der passende Brennzeitpunkt liegt dabei im Herbst, nach den ersten Bodenfrösten, sodass Flora, Fauna und Bodenlebewesen sich schon für die kalte Jahreszeit zurückgezogen haben respektive in der Winterruhe befinden.

Beim Wetter benötigt es eine wolkenlose, sonnige und stabile Hochdruckwetterlage, bei der die erste Morgensonne eine hangaufwärtsgerichtete Thermik entstehen lässt, die bei der Brennmethode der «kalten Mitwindfeuer» genutzt wird, um das Feuer mit kurzer Verweildauer und geringer Eindringtiefe in den Boden rasch von unten nach oben zu tragen. Dabei verbrennt auch ein Teil der vorhandenen Streu- bzw. Rohhumusschicht, was zu einen Mineralisationsschub im Boden führt, die Nährstoffverfügbarkeit für Pflanzen auf dem Standort grundsätzlich verbessert und damit die Wiederbegrünung begünstigt.

Die Vegetationszusammensetzung veränderte sich nach dem kontrollierten Abbrennen deutlich: die holzigen Verbuschungspflanzen wurden erwartungsgemäss deutlich reduziert, während die Futterpflanzen und die Artenvielfalt insgesamt nach dem Brennen deutlich zunahmen. Die Wiederbegrünung verlief auf tiefgründigeren und weniger steilen Standorten schneller ab als auf flachgründigeren und steileren Flächen. Stark verbuschte Bereiche, welche in der Nähe von inventarisierten TWW-Flächen (Trockenwiesen und -weiden) lagen, entwickelten sich nach dem kontrollierten Abbrennen deutlich in Richtung des TWW-Pflanzenbestands. Eine typische Artenzusammensetzung der TWW konnte aber auch fünf Jahre nach dem Brennen noch nicht erreicht werden.

Mehrere Brutvogelarten der offenen bis halboffenen alpinen Lebensräume konnten vom kontrollierten Abbrennen profitieren resp. die Reviere beibehalten. So auch das Braunkehlchen (Saxicola rubetra), eine Prioritätsart der Artenförderung im Kanton Wallis. Das kontrollierte Abbrennen kann zur Öffnung verbuschter Flächen beitragen und damit potenziell geeignete Brutlebensräume für bestimmte Brutvogelarten schaffen oder erhalten.

Was den Aspekt der Luftbelastung durch das kontrollierte Brennen angeht, so verteilte sich die deutlich sichtbare Rauchfahne rasch in höhere Luftschichten und wurde dort mit der vorherrschenden Luftbewegung verfrachtet und verdünnt. Aufgrund von Emissionsabschätzungen kann davon ausgegangen werden, dass die Feinstaubkonzentration (PM10-Konzentration) direkt in den Rauchfahnen hoch war. Effektiv gemessen werden konnten während des Abbrennens aber nur geringe bis kurzfristig deutliche Anstiege der PM10-Konzentration. Der PM10-Tagesgrenzwert von 50 µg/m3 wurde aber zu keiner Zeit an keiner der Messstationen überschritten. Auch im Dorf Zermatt kam es zu keiner Zeit zu einer Feinstaubbelastung, die auf das Abbrennen zurückzuführen war.
 

Brandwirtschaft Zermatt: Das Feuer zieht es mit dem Aufwind nach oben.

Erfreuliches Gesamtfazit

Insgesamt kann geschlussfolgert werden, dass das kontrollierte Abbrennen auf passenden Standorten und bei fachgerechter Durchführung mit hohem Brennerfolg funktioniert. Es profitieren:

  • Angebot Futterpflanzen/Wiederbegrünung

  • Natur- und Artenschutz durch ökologisch wertvolle Mosaike und Lebensräume

Die Feinstaubbelastungen lassen sich offenbar in einem «nicht übermässigen Rahmen» halten.

Damit das kontrollierte Abbrennen eine nachhaltige Regulierungs- bzw. Pflegemassnahme gegen die Verbuschung auf Alpweiden sein kann, ist es essentiell, dass der Rahmen und die Voraussetzungen für die Anwendung einer solche Massnahme klar abgesteckt werden. Dazu benötigt es auch die entsprechenden rechtlichen Grundlagen. Das Büro Alpe empfiehlt für einen Einsatz des kontrollierten Brennens zur Regulierung von Verbuschung auf Alpweiden die Einhaltung bestimmter Vorgaben / Voraussetzungen betreffend:

  • zukünftiger Bewirtschaftung

  • Flächeneignung

  • bei grösseren Flächen auch Flächenneigung

  • Brennmethode

  • Brennzeitraum

  • strukturreiche Alpweide als Zielbestand

  • Sicherheitskonzept

  • Haftungsfrage

Für den Vollzug wird, ähnlich wie beim Mulchen, der Einsatz von kantonalen Bewilligungen empfohlen.
 


Brandwirtschaft in Zermatt: Abgebrannter Wacholder

Im Video auf YouTube wird der Vorgang des kontrollierten Abbrennens Schritt für Schritt erklärt:
https://www.youtube.com/watch?v=qe-0s2Wpon0


Der ausführliche Schlussbericht 2026 kann beim Büro Alpe eingesehen werden:
https://www.alpe-beratung.ch/forschung


Kontakte für Rückfragen:

Büro Alpe – Beratung für Alpwirtschaft
Helen Willems
helen.willems@alpe-beratung.ch
www.alpe-beratung.ch

Burgergemeinde Zermatt
Alain Kronig
alain.kronig@bg-zermatt.ch
www.burgergemeindezermatt.ch